Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 1 (4.1.1861)
- Date
- 1861-01-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543025--1919-2545643- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
anSivrechen müssen, das; das österreichische Kultusministerium sich um den Aufschwung und die Förderung deS isr. SchulweseuS in Ungarn Verdienste erworben hat, theilS durch Anregungen, neue Schulen iu'ö Leben zu rufen, die bestandenen zu eeorganisireu und den Lehrern eine gesicherte und ehrenhaftere Stellung zu gründen, theilS durch die auS dem k. k. Schulbücherverlage hervorgegaugeuen billigen Ausgaben von speziell-jüdischen, und eigens dazu versüßten Schulbüchern: so sind uns dennoch noch viele Wünsche zurückgeblieben, deren Realisirnng wir zwar zu erhoffen, aber auch unsererseitS a nzuftreben haben. Einer dieser Wünsche ist namenllich der, daß der israel. KnlkuSgemeinde und den Rabbinern derjenige Einstuß aus Dirigiruug und Ueberwaehung der Schule gestaltet werde, welcher andern Gemeinden und ihren Seelsorgern kraft ihres Amtes eingeränmt und znerkanm gewesen ist. Herr Rabbiner Oppenheim in Groß - BeeSkerek hat diesen Gegenstand zum Thema einiger Artikel in der ״A. Z. d. I." schon vor Monaten gewählt, und ist darin für das geschmälerte Recht der Rabbiner und der Gemeinde in die Schranken getreten. Jene Artikel haben zwar auch ihre Entgegnttttgen gefunden, aber, wie uns dünkt, ohne Widerlegung und Entkräftung der angeführten Argumente. Wir glauben, daß es jetzt an der Zeit sei, diese für die Schule so hochwichtige Frage allseitigen Erörterungen zuerst auf dem Wege der Presse zu unterziehen, und, falls von mehrerern Seiten her eine Uebereinstimmnng der Ansichten resnltiren sollte, diese zu sormuliren, und mittelst Petition beim ersten Landtage um deren gesetzmäßige Anerkennung und endgiltige Erledigung einznschreiten. Der gegenwärtige faktische Stand ist folgender: Daö h. österreichische Kultusministerium hat sich von dem Gedanken leiten lassen, die Rabbiner, wo möglich, von der Direktivn israel. Volksschulen auszuschließen, und diese der katholiscben Seelsorge znznweisen. Diese Bevorzugung zeigte sich auch in andern Anordnungen, wie z. B.: daß israel. Schulkinder, bei ermöglichter Wahl, nnr katholische BolkSschnlen besuchen durften. Und wenn auch bei einigen Rabbinern eine Ausnahme vorgekommen, und ihnen daS Direktorat nicht nur der Elementar-, sondern auch der Hauptschulen anvertrant worden ist; so wurde bei der weitaus größer» Mehrheit israel. Schulen jener leitende Gedanke festgehalten, und selbst auf das bittgesnchliche Einschreiten der betreffenden Gemeinden, ihre Rabbiner mit dem Direktorate zu betrauen, weil sie darin die Garantie für daö innere und! äußere Gedeihen ihrer oft mit immensen Opfern sontenirten Schulen zu erblicken vermeinten, keine Rücksicht genommen. Eö kamen auch Fälle vor, daß dieselben Rabbiner, die auf ihren früheren Posten Schuldirektoren waren, und ihren Verpflichtungen zur Zufriedenheit der Gemeinden und Landesschnlbehörden entsprochen haben, in andern Gemeinden von j si'dcr Einflußnahme auf den nichtreligiösen Theil deS Schul- Unterrichtes ausgeschlossen wurden. Um allen Mißverständnissen und etwaigen Vorwürfen intoleranter Befangenheit und SlandeSanmasiung vorzubengen, wollen wir im Vorhinein gestehen, daß wir weder ן prinzipielle, noch religiöse Skrupel dagegen haben, Seelsorj ger anderer Konfessionen als Direktoren unserer Elementarschulen bestellt zu sehen, wenn sie von den betreffenden Gej mcinden als solche gewünscht werden. Aber für'S Erste dürften die Rabbinen, bei nachgewiescner Befähigung nicht präterirt werden, theilS weil ihr Ansehen und ihr moralischer Einfluß in der Gemeinde nnr leiden müssen, wenn sie von der Schule, deren Bedentsamkeit und Wichtigkeit genugsam anerkannt ist, ausgeschlossen bleiben sollten, theilS weil sie schwerlich bei gleicher Qualifikation, durch andere Direktorcn ersetzt werden können, da eS immerhin besser ist, die ganze Leitung der Schule in einer Person — und der religiöse Unterricht kann doch ihrer Ueberwachnng nicht entzo-; gen werden — vereinigt zu sehen. Für'S Zweite fordern . wir — waS sich eigentlich von selbst versteht, und keines ' Nachweises bedarf — daß die zu Direktoren bestellten Seel-! sorger den israel. Schulen dieselbe Sorgfalt und Aufmerksamfeit und in demselben Maße zuzuwenden haben, wie sie solche! ihren eigenen Schulen angedeihen lassen. Dazu rechnen um׳ nicht nur den llnterricht, sondern auch den zu erzielenden moralischen Einflnß der Schule auf daS sittliche Betragen der Schuljugend. Daß christliche Seelsorger dieser Ueberwachnng deö moralischen Betragens der Schnljngend beim besten Willen nicht entsprechen können, liegt auf der Hand. So, gehört eS z. B. zur Aufgabe einer guten Schule, dabin zu wirken, daß die Schuljugend im Gotteöhausc ein anständigeS nnd ehrerbietiges Betragen beobachte. Wie will sich aber der christliche Seelsorger davon überzeugen? Oder kann er gar eine Ahnung haben, mit welcher Energie darauf hingewirkt werden müsse, um Störungen vom öffentlichen GotteSdienste hintanzuhalten? Allein wenn wir auch von diesem letzten Umstande abseheu, nnd lediglich die Ueberwachnng deö Unterrichtes als die Aufgabe deö Schuldirektors betrachten, so fragt eS sich, ob denn in dieser Beziehung au allen Orten der Schule ein Genüge geschehen sei, und ob die behördlich bestellten Direktoren ihrer Aufgabe nachgekommen seien. Exemphi sunt odiosji. Wir wissen Fälle, daß die Direktoren durch Jahre die israel. Schule kaum eines Besuches würdigen, theilS anö Ueberhäufnng von Berufögeschäften, theilS auö Prinzip, daö wir zwar als den Ausdruck eines religiösen Ge- Wissens respektireu, ohne jedoch die Bemerkung unterdrücken zu können, daß unserer Schule unendliche Nachtheile daraus erwachsen. Wir wollen gar nicht in Abrede stellen, daß eS auch edle Ausnahmen und Viele gibt, die eS als Werk der Humanität und priesterlicher Toleranz betrachten, unsere Schulen zu fördern und ihrer gedeihlichen Entwickelung jeden möglichen Vorschub zu leisten; aber die Thalsache kann doch auch nicht geleugnet werden, daß gegenwärtig viele israel. Schulen nur nominelle Direktoren haben, die auf Lehrer und Unterricht keinen Einfluß üben. Man sieht eS aber auch diesen Schulen an, daß sie jeder kräftigen Leitung und Ueberwachnng entbehren! Die Lehrer sind ohne alle Kollegialität und einheitliches Zusammenwirken, der Unterricht ohne leitendem Gedanken, die Lehrgegenstände nach verschiedenen Methoden behandelt, und darum in ihrer Gesammtheit ohne bleibenden Erfolg, die Jugend, bei solchen widerstrebenden Elementen, ohne Disziplin, und darum baar alles AnfstrebenS und Ehrgefühles! Welchen Erfolg bei solchen Schulverhältnissen die dem Rabbiner zugewiesene Ueberwachnng deö hebr. Unterrichtes haben könne, wird jeder Sachverständige leicht einsehen.