Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 12 (15.12.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-12-15
- Page
- Seite 664 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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664 — kennende Kanon muß um so mehr überraschen, als er mit der im Thalmud herrschenden Ansicht von dem Sinken der Geschlechter kaum in Uebereinstimmung zu bringen ist. ״Wenn R. Jehuda I." erzählt die jer. Gemara, dem R. Jose b. Chalaftha widersprach/ bemerkt er hiezu: ״Das Gemeinste ist vom Heiligsten nicht weiter entfernt, als unser Geschlecht von dem seinigen!" Jose's Sohn, R. Jsmael sagte: ״Das Geschlecht des Vaters ist Gold, das unsere — Staub (Gitt. 6, 7.)!" R. Jochanan verglich den Geist der Alten mit der großen Pforte, welche in die Vorhalle des HeiligthumS führte, den der Späteren mit der kleinern Pforte des Heiligthums; unsere Fassungskraft, fügt er Hinzu, ist mit dem Öehre einer Nähnadel zu vergleichen (Erub. 53, a.). Jüngere persische Lehrer erschöpfen sich in Bildern, um die abgenommeue geistige Kapazität ihrer Zeit zu schildern. Abaje: ״Schwer bahnt sich der Nagel den Weg in die Mauer; aber eben so schwer bahnen sich die Begriffe den Weg in unseren Geist!" Raba, der sonst den Fortschritt der Studien in seiner Zeit rühmte (Sanh. 106, b.): /,Bei unserer geistigen Produktion dringen wir in die Materie so ein, wie der Finger in verhärteten Wachs." R. Asche: ״Das Erlernte zieht so leicht ans unserem Gedächtnisse, wie ein Finger aus einer leeren Grube gezogen wird." Die palästinensischen Haggadisten gingen noch weiter. ״Die Alten", sagt R. Zesra, ״find uns gegenüber Engel; sehen wir aber sie für Menschen an, so müssen wir uns für Esel halten'^)!" Diese überschwengliche Glorifikation der früheren Zeit kann nicht befremden, indem es Gewohnheit aller Kulturvölker ist, ihre Vergangenheit im Licht« glanze höherer Vollendung anzuschauen. Merkwürdig ist es im Gegentheile, daß in jüdischen Schulen schon frühzeitig die Frage aufgeworfen wurde, ob vom Standpunkte der Religiosität und Würdigkeit den früheren oder den späteren Generationen der Borzug einzuräumen sei. R. Eliezer b. HyrkanoS nahm das Geschick zum Maßstabe der Würdigkeit; er reichte die Palme den früheren Geschlechtern, und berief sich auf die Wiederherstellung des Tempels, welche Zeugniß gebe für die Würdigkeit der Väter. Darauf berief sich in späterer Zeit auch R. Jochanan, während der jüngere R. Simon b. Laktsch die neuere Zeit pries, die trotz des zu erlet-