Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 12 (15.12.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-12-15
- Page
- Seite 662 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 662 — oder jenem Rabbi zu richten habe, wessen Inhaltes immer dessen Anssprüche sein mögen. Wie ist eS aber denkbar, daß ein Mensch in allen seinen Wegen glücklich sei, und in allen seinen Worten den Mittelpunkt der Wahrheit treffe, so daß er jede ihm widersprechende Zunge Lügen strafen, und die Worte aller, die seine Behauptungen bestreiten, für eitel, null und nichtig erklären könnte? Sind ja Jrrthum und Fehlbarkeit das Loos des ganzen MenschengeschlechteS, und war ja selbst der größte aller Profeten nicht unfehlbar! Wer hat also unseren Weisen offenbart, daß dieser oder jener Rabbi die hohe Stufe der Unfehlbarkeit erreicht habe?" Der Befragte beruft sich in seinem Antwortschreiben im Wesentlichen aus eine in den Zeiten R. Asche'ö gehaltene Synode, welche die Befähigung und die Einsichten der Lehrer aller früheren Zeiten genau zu ermessen verstanden, und Alles und Jedes reiflich erwogen habe. Allein abgesehen davon, daß die zur Sprache gebrachten Schwierigkeiten durch die Berufung auf die Synode nicht beseitiget werden, ist die Auskunft schon deshalb unstatthaft, weil die angebliche Synode eine Fiktion späterer Chronisten ist, und der Thalmud selbst von einer derartigen Synode gar nichts weiß. R. Jair Chajjim bekennet übrigens selbst, daß das Problem des Fragestellers nicht ganz gelöst sei, daß die Genesis der Halacha unauflösliche Räthsel biete, und manche im Thalmud enthaltenen Daten einen direkten Widerspruch enthalten. Letzteres ist nach seinen Nachweisen beispielsweise der Fall, wenn R. Jochanan einerseitS den persischen Lehrern Abba Arekka und Samuel nachgesetzt, und andererseits über dieselben erhoben wird ’)! Aus der gegebenen Uehersicht der größten thalmudisch-legislatorischen Autoritäten erhellt, daß die Reihe derselben in Palästina im dritten, in Persien im fünften Jahrhundert erloschen ist. Sehr natürlich! In Palästina hatte das halachtsche Studium schon im dritten Jahrhundert abgenommeu, und der Haggada Platz gemacht, so daß daselbst von großen halachischen Autoritäten nicht mehr die Rede sein konnte. Im vierten Jahrhundert hörte man in den palästinensischen Schulen kaum mehr einen halachischen Vortrag, oder eine das Gesetz betreffende selbstständige Meinung-- äußerung. Indem Rapoport vor 32 Jahren diese Zustände