Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 12 (1.12.1860) 1.Hälfte
- Date
- 1860-12-01
- Page
- Seite 653 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Odesa 2× ep/1000834
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— 653 — Abrede stellen, mit welcher sie die Angelegenheiten der Gemeinde verwaltet und leitet. Aber mit Recht kann an ste die Forderung gestellt werden, daß sie eingedenk des. Spruches: אם אין קמה אין וזורח, dafür Sorge trüge, daß den Männern, die Kraft und Beruf in sich fühlen, den Unterricht in den Lhalmud. Wissenschaften und die Pflege derselben auf sich zu nehmen, ein firer Gehalt ausgesetzt werde, daß ihnen aber dafür die Unterweisung derjenigen Männer nicht als freiwillige Dienstleistung überlassen, sondern als strenge Pflicht auferlegt würde. Sind wir gut unterrichtet, so ist der Beschluß zur Gründung einer Thalmudschule schon längst von der Repräsentanz gefaßt worden; aber bis jetzt ist's noch nur beim Beschluß geblieben, zur Ausführung desselben ist unseres Wissens noch kein Schritt geschehen. Wir begnügeu uns für heute diese Frage hier angeregt zu haben, und behalten uns vor, diesen Gegenstand noch einmal in ausführlicher Weise zur Sprache zu bringen. H Lemberg, 23. November. Am 17. d. M. schied Dr. Schwabach er in einer glänzenden Abschiedsrede von unserer Gemeinde, um dem Rufe als Rabbiner und Prediger in Odessa zu folgen.. Es ist das erste Beispiel, daß ein Ausländer und unter so glänzenden Bedingungen in Rußland den Posten eines Rabbiners erlangt, nur die wahrhaft glänzende Erscheinung und Redekraft dieses Mannes konnten ein solches Mirakel erzielen. Mit seiner Anstellung daselbst erschließt sich aber auch für unsere dort so zahlreichen Glaubensbrüder eine Aussicht von unberechenbarer Tragweite. Das Beispiel Odeffa's wird gewiß in allen großen Gemeinden gleiche Bestrebungen wachrufen; der geregelte Gottesdienst wird auf den empfänglicheren Sinn der Besseren und Einflußreicheren seine mächtige Wirkung nicht verfehlen, und dieser Impuls auf die'Bildung im Allgemeinen von immensem Einflüsse sein. Dieser muß auf russischem Boden um so sichtbarer hervortreten, als dort die jüdische Bevölkernng eine sehr reiche ist, und mit dem Entschlüsse auch die That Hand in Hand geht. Umsomehr stehen derartige günstige Resultate zu erwarten, da vr. Schwabacher nicht blos zum Rabbiner und Prediger in Odessa ernannt, sondern auch zum Deputirten der Synode in Petersburg einstimmig erwählt wurde. Der Geist, der jetzt in den dortigen höchsten Regierungssphären waltet, ist bekanntlich dem humanistischen und zivilisatorlschen Streben überaus günstig, und die Persönlichkeit des geistvollen Redners kann nur dazu beitragen, dieser Anschauung größeres Gewicht zu verleihen. Für uns leider ist das Scheiden des Di*. Schwabacher aus unserer Mitte eine wahre Kalamität. In unserem Kreise, wo das Arsenal jüd.-szientifischer Forschung ein überreiches, wo die heilige Sprache und thalmudisches Wissen ein Gemeingut selbst der Jugend ist, bedarf es einer hervorragenden Begabung, seltener, moderner Eigenschaften, um den Massen zu imponiren und die Gebildeten zu befriedigen. Vor Allem muß es eine glanzvolle Eloquenz sein, die für die alten ״Pschetlech" schadlos halten soll. Den historisch-konservativen Standpunkt den vr. Schwabacher festhält, hat ihm die Gunst der Orthodorie erhalten, wie sein wahrhaft hinreißendes Wort, ihm die Achtung