Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 12 (1.12.1860) 1.Hälfte
- Date
- 1860-12-01
- Page
- Seite 654 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 654 — und Anerkennung der hyperliberalen Freisinnigkeit erwarb, die ihm nicht selten seine konservative Glaubensrichtnng zum Vorwurfe machte. Daß aber dieser Standpunkt für das Judenthnm im Allgemeinen, insbesondere aber in Polen und Rußland der einzig richtige ist, der zum Heile führt, der Bildung und Synagoge, Fortschritt und religiöses Streben zu einigen und zu versöhnen vermag, dafür geben viele Beispiele in verschiedenen Orten, namentlich in Berlin und Breslau gar traurige Beispiele. In diesem Sinne deuten wir auch den Ausspruch des großen Profeten und Poeten: תצאו ובמנוסה piDPD כי לא לא תלכון כי הדלף לפניכם יי ומאםסכם אלהי ישראל. ״Der Fortschritt darf nicht zum eilfertigen Sturme, darf nicht sinnlos zur Flucht ausarten; vor dir Gott und hinter dir Gott!" aber dazwischen, selbstverständlich, der besonnene, seines Zieles sich klar bewußte Fortschritt. Jedenfalls verstand es der gefeierte Redner eine über den Parteien selbstständige Stellung zu behaupten, und mit sich nimmt er die Ueberzeugung einer segenvollen vieljährigen Wirksamkeit, die Liebe gleichgesinnter, ihm treu anhängender Freunde, die Achtung und Anhänglichkeit der Knlmsgemeinde und die freundliche Anerkennnng aller Parteien. Möge uns nur bald Ersatz für diesen schweren Verlust werden. Wol kennen wir einen Mann — und der Mann kennt auch uns — den allgemeiner Enthusiasmus begrüßen würde, wenn er die Kanzel auf der schon vor acht Jahren zweimal sein begeisterndes Wort erklang, jetzt wieder, aber dauernd, als heißersehnter Seelenhirt der Lemberger Gemeinde betreten wollte. Ja, wir. möchten sogar den verehrten Redakteur Vieser Blätter, der auf jenen Mann den höchsten, ja ausschließlichen Einfluß ausübt, dringend im Namen der ganzen hiesigen Gemeinde angehen, ihn dafür zu stimmen. Dieser Wunsch bewegt hier alle Herzen, lebt in jedem Munde, leider können wir kaum hoffen, ihn realisirt zu sehen. Was meinen Sie, Herr Redakteur? Ueber unsere sonstigen Zustände in sozialer, politischer und literarischer Beziehung in einem nächsten Briefe. © Pest, Ende November. Für ein nicht täglich erscheinendes Blatt ist es nicht leicht, dem Fluge [bei: Ereignisse in der hiesigen israel. Gemeinde zu folgen. Da aber Ben Chan, dem künftigen Geschichtsschreiber als Quelle für die Geschichte der Juden in Ungarn dienen wird, registrire ich Ihnen das Wichtigste. Anfangs d. M. erschien ein Aufruf an den Vorstand, daß er aushöre, Vorstand zu sein. Ein Theil desselben ist später ausgeschieden. Ein Artikel im Lloyd will einen bezahlten ersten Vorsteher eingesetzt wissen, der aber Schiller und Göthe, Vörösmarty und Garay, Cicero und Horaz zwischen den Fingern haben müßte. Durchgefallen. Dem Motionsteller wurde das Studium des Juvenal empfohlen. Ein Hr. K—n. will die Ungar. Sprache in ״Kirche und Schule" eingesührt wissen. In der Gemeindeschule sind auch nach dieser Richtung Reformen vorgenommen worden. In der Synagoge wird das Gebet für Fürst und Vaterland ungarisch vorgetragen. In der Folge werden an die Stelle der deutschen Lieder ungarische treten; auch ist ein Konkurs zur Be-