Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 12 (1.12.1860) 1.Hälfte
- Date
- 1860-12-01
- Page
- Seite 652 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 652 — von dieser gewählten Vertrauensmännern, an deren Spitze der biedere, unermüdlich thätige Präses, Hr. Ernst Wehli stand, dessen aufopfernde Hingebung für die Interessen seiner Gemeinde nicht genug anerkannt werden kann. Unter den hier, ihrer wissenschaftlichen Ausbildung wegen lebenden Rabbinats-Kandidaten befindet sich auch der Sohn des englischen Landesrabbiners Adler, der unter der Leitung des als tüchtigen Thalmudisten rühmlichst bekannten Hrn. Simon Au sch seine thalmudischen Studien fortsetzt. Prag gilt noch immer im In- und Auslande als eine עיר יאם בישראל als eine עירמלאה חכמים als Sitz jüdischer Gelehrsamkeit. Wie viel könnte aber Prag leisten, und welchen großen und wolverdienten Ruf würde es erst erlangen, wenn die vielen, hier isolirten Kräfte gemeinschaftlich zusammenwirkten, und sich gegenseitig unterstützten. Trotz des in dem letzten Dezennium bedeutend abgenommenen Interesses für das Studium des Thalmuds gibt es dennoch hier noch bedeutende thalm. Kapazitäten, wie fie nicht leicht eine andere Gemeinde aufzuweisen hat, Kapazitäten aus der guten alten Zeit, wo man noch לשם שמים lernte, und fich nicht mit einigen eingezwickten סעיפים aus dem ש״ע begnügte blos zu dem Zwecke ein Zeugniß über Rabbinerqualifikation zu erhaschen. äch nenne hier außerdem auch in fernen Landen als thalmud. Größen bekannten Oberrabbinen RappaPort u. Freund, auch die beiden Assessoren Teweles, Sim. Lasch, den oben genannten Au sch, P. Spitz, mehrer anderer nicht zu gedenken, von denen Jeder geeignet ist, ein Rabbinat in den größten Gemeinden mit Ehren zu bekleiden, und von denen auch mehrere durch ihre Leistungen auf dem Gebiete der rabbin. Literatur fich verdient gemacht haben. Trotzdem stehen die einst so berühmten Thalmudschnlen Prags verwaist, nicht ob Mangel an Jüngern, sondern an Meistern, und der vom Wiffensdurste getriebene nach Prag eilende Jüngling fieht sich hier von Allen verlassen, auf Selbststudium angewiesen, und er muß es schon als ein Glück ansehen, wenn ihm das Hans des Einen oder des Andern offen steht, und es ihm gegönnt ist, hie und da rhapsodisch ein Wort der Belehrung zu vernehmen. Diejenigen, die zunächst dazu berufen wären, das Lehramt der Synagoge auf sich zu nehmen, find die Rabbiner der Gemeinde. Daß fie es nicht thun, wollen wir ihnen nicht zum Vorwurf machen. Beide find in Jahren vorgerückt, kränklich, überdies vielfach in Angelegenheiten der Gemeinde von Behörden und Privaten in Anspruch genommen, wie es auch in einer großen Gemeinde nicht leicht anders sein kann. Sie find, wenn auch nicht ganz gerechtfertigt, doch entschuldigt. Die Andern haben um die Herbeischaffnng der nothwendigsteu Lebensbedürfnisse mühevoll zu kämpfen, und'es wäre eine nicht zu rechtfertigende Zumuthung zu verlangen, daß fie das Stückchen Brod, das sie im Schweiße ihres Angestchtes fich kümmerlich erringen, anfgeben, um großmüthig Zeit und Kraft andern zu widmen, daß fie Andern geistige Nahrung darreichen, dabei aber selber verhungern und verkümmern sollen. Aber, wem eine solche Unterlassungssünde mit vollem Rechte zur Last gelegt wird, ist die Gemeinde resp. deren Vertretung. Niemand wird den edlen Eifer und die nicht genug zu rühmende Thätigkeit Ln