Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 12 (1.12.1860) 1.Hälfte
- Date
- 1860-12-01
- Page
- Seite 640 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 640 — zu sagen, daß der Vorrath noch für Viele ausretcht, welche gute Zähne mitbringen. Bei Beurtheilung eines antiquarischen Buches soll man eigentlich die Person des Verfassers nicht im Auge haben. Man will ja nur die Frucht vom Baume der Erkenntniß pflücken f Allein hier ist der Boden so absonderlicher Natur, daß der Stamm, welcher darauf wächst, seine Gestalt davon bedingt sieht, und seine Frucht hat nicht blos den Geschmack, den ihm seine Säfte geben, sondern der ganze Dnkes wird mit ihr genossen. Wir scheuen uns nicht, dies von unserem fleißigen Freunde, der dem Anbau des Garten Edens weit mehr angehört als der leidigen Welt, welche ihm nicht den kargen Arbeitslohn zahlt, geradezu auszuplaudern. Wir haben hier nicht ein Werk des Dukes, des lebendigen Handschriften- Schatzes, welcher, so oft es angeht, aus den Gräbern des Mittelalters vermoderte Gebeine herauf zaubert, und mit neuem Fleisch und Blut umkleidet, sondern eine Villa unseres Autors mit dem Geiste des Werkmeisters darin, das hat unsere Aufmerksamkeit wiederum ermuntert. Gabirol und Dukes treten als Künstlerpaar auf. Gabirol und Dukes und Dukes und Gabirol greifen hier beständig in einander, man hat seine Noth, um zu erkennen, wer von beiden eigentlich spricht, obgleich der eine nur die hebräische, der andere die deutsche Zunge in Bewegung setzt. Die Geister tummeln sich untereinander, manchmal im seierlichen Menuet, dann wieder in muntern Sprüngen, hin und wieder mit tiesgelehrten Fingerzeigen für ein unwissendes Publikum. Wenn Alles fertig ist, hat man vielerlei gelernt, und noch Vieles mit verschluckt, das einer langen Nachverdauung bedarf, wozu übrigens ein starker Magen gehört. Wir wollen aber keine medtzinische Abhandlung schreiben, und machen nur ein Paar Anmerkungen, damit man obige Aeußerungen begreife, auch wisse, daß wir nicht gerade an Lobhudelei Gefallen finden. Im Vorworte spricht Dukes allein; der ganze Dukes, wie er leibt und lebt. Wollet ihr ihn kennen lernen, leset die Vorrede. Er sagt: ״Es gibt eine Masse von Sachen, die an und für sich räthselhaft sind." Gewiß, — sogar die Paradoxen dieser Vorrede, mindestens für uns. Dahin gehören gleich die.erHn Sätze: ״Wie das ststsche Auge oft kurzsichtig, oft weitsichtig ist, so auch das geistige." Unser Auge ist kurzsichtig genug, um nicht zu erkennen, ob von einem und demselben Auge, oder von verschiedenen die Rede sei. Zweiter Satz: ״Filologen sehen nur in der Nähe, Filosofen nur in der Fsrne." Wieder ein Räthsel!