Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 11 (15.11.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-11-15
- Page
- Seite 616 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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616 — tungsmethode des Midrasch kann ihren entschiedenen Gang zum Ziele nicht aufhalten. Sie hat aus ihrem Wege lichtvolle, geisteshelle Denker gesunden, wie Jbn Esra, Maimonides, Abarbanel, Hartwig Wessely, die mit ungetrübter Verstandesschärfe ihr vorleuchteten; und selbst der Rabbi von Troyes gibt der einfachen Deutung, dem פשט den Vorzug und macht nur seinem Zeitalter ein Zugeständniß, indem er die agadische Deutung, den דרוש ergänzend beifügt. Wir wollen,dies scheinbar harte Urtheil durch ein Beispiel erläutern- Die Betrachtung S: 17. ist überschrieben: ״Auf's Gebirge flüchte dich, sonst bist du verloren." Zur Anknüpfung dient die bekannte Warnung der Engel an Lot, sich aus dem Verderben der sündigen Städte zu retten. Der Verfasser entrollt vorerst ein lebendes Bild der sittlichen Verderbniß und des gräßlichen Schicksals, das diesen Städten sich vorbereitet. Aber, ״ein Mann, rn dessen Brust noch der Funke des Bessern unter der Asche glimmte, ... Lot, sollte gerettet werden.... Auch dein guter Engel faßt dich an dem Arm, und ruft dir zu: Fort, fort aus der Nähe der Sünder n. k." Die Gefahr der Verführung wird nun vorgestellt. Es gibt dagegen nur ein Mittel: ״Gott fürchten, und die fürchten, welche Gott nicht fürchten. ״Darum höre, wie dein guter Engel dir zürnst: Rette deine Seele, nicht einen Blick wirf zurück, nicht eine Minute stehe still — auf's Gebirge rette dich, dort und nur dort bist du sicher." O Leser, merke dir dies Wort, schreibe es auf die Tafeln deines Herzens: ״Auf's Gebirge rette dich, dort und nur dort bist dn sicher!" Auf den Berg rette dich! Dieser Berg ist die Thora, die heilige Lehre vom Sinai, die erhabene Religion unserer Väter. An diese klammere dich, und dir kann kein sittliches Verderben nahen." — Hier ist, wie Jeder sieht, der so handgreiflich klare Sinn der Schrift- Worte, wir möchten sagen, einer Paronomafie geopfert, und zwei Gegenstände, welche eine Welt von einander trennt, eine gewöhnliche Mahnung zur Vorsicht und der höchste Gedanke des Judenthums durch bloße Willkür an einander geschweißt. Vielleicht würden wir nicht so entschieden diese Verkehrtheit beleuchtet haben, wenn wir es mit einem Buche von kurzem Leben und geringeren Vorzügen zu thun hätten. Wir bemerken aber hier Vorzüge, welche der Sammlung ein längeres Leben, und vielleicht eine zweite Auflage sichern; und für eine solche wird vielleicht nnser wohlgemeinter Rath Gehör finden, Alles, was dieser maßlosen Eregese huldigt, zu verbannen. Nicht blos der angeführte Abschnitt, S. 17, wird dem Geiste einer erleuchteten Bibelforschung als Opfer falten müssen; auch die Betrachtungen, S. 36, 123, 167, 201. haben wir Ursache, in demselben Sinne hinweg zu wünschen, "so viel ves Schönen sie im Einzelnen auch enthalten mögen. Schmiedl ist reich genug, um die ausfallenden Stücke durch solche zu ersetzeu, welche der großen Natur des biblischen Wortes sich würdiger anreihen. Das Buch ist übrigens voll der finnigsten Lichtblicke einer von Geist und Scharfsinn getragenen Hermeneutik. Nicht nur viele Schriftstetlen sind mit Glück und feinem Takte in das rechte Licht gestellt; auch eine Menge der