Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 11 (15.11.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-11-15
- Page
- Seite 617 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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617 — schwierigsten rabbinischen Stellen erhalten durch geschmackvolle Einflechtung und Anwendung, durch gelungene Uebertragung, durch zarte Auffassung ein neues Leben. Sswol die allgemein menschliche wie die jüdische Ethik ist iu zahlreichen Abschnitten, meist mit wahrer Vollendung behandelt, und ich zähle es zu den größten Vorzügen des Buches, daß es der Sittenlehre einen so bedeutenden Raum widmet, ein Umstand, der ihm als Haus- und Familienbuch eine bedeutende Wirkung sichert.׳ Solche Abschnitte sind denn oft zugleich eigentliche Ehrenzengniffe für den reinen Sonnenglanz der jüdischen Lehre. Wir zählen dazu die Abschnitte S. 7: der Arche Noah's gleiche dein Herz; S. 11: werde ein Segen; S. 29: siehe,, noch ist der Tag groß; S. 40: der größte Schatz, ein reines Gewissen; S. 77: fliehe die Lüge; S. 223: Thue recht, scheue Niemand u. a. Der dogmatische Kern des Iudenthums ist ebenfalls in einer ziemlichen Anzahl von Betrachtungen behandelt, von denen wir als die bedeutendsten hervorheben S. 21: Dein Glaube sei dir Alles; S. 25: die drei Quellen der Gotteserkenntniß; S. 57: ein Beweis für die Wahrheit des Judenthums; S. t09: unser heutiger Gottesdienst ist an die Stelle des früheren OpferdiensteS getreten; S. 143: die Festtage; S. 189: die Zeremonialgesetzez S. 239: drei oberste Wahrheiten des Judenthums. Ganz besonders sind dem Verfasser einzelne bedeutende Gesichtspunkte des jüdischen Lebens gelungen; und hier hat er mit Meisterhand Bilder ausgeführt, welche als mnstergiltig dastehen mögen. Dazu gehört die apologetische Betrachtung S. 133: Blut sei dir heilig. Natürlich handelt es sich hier um eine Abwehr gegen die gräßliche Blutbeschuldigung gegen dies Gespenst der Lüge, welche aus der verhüllten Schmachgeschichte eines Jahrtausends der Barbarei sich wieder einmal an das Licht des Tages gewagt hat. Der Verfasser erinnert hier an das unvergeßliche Unrecht, welches die Muse Shakespeare's, einen wirklichen Vorgang in frevler Weise umkehrend, an Israel und an der Gesittung einer Wett in gleicher Weise geübt. Der eigentliche Sachverhalt der Shyloksage wird dargesteltt im 5. Jahrg, S. 288 des Stein'schen Volkslehrers. Einen glücklichen Gedanken huldigt S. 154: ״Laßt uns Darlehensvereine gründen." Nicht nur eine schöne Anregung zu wirksamer Wohlthätigkeit ist hier gegeben; das Ganze kann eine kurze und doch vollständige Verherrlichung der jüdischen Milde genannt werden. Nicht minder bedeutend ist die Betrachtung S. 233: die hebräische Sprache, eine ergreifende Mahnung, das im Heutigen Israel schlummernde Studium der Sprache wieder zu beleben. S. 264 verbreitet sich mit Lebendigkeit über die Bedeutung der Kanzelrede im heutigen Judenthume. Eine der gelungensten Stücke S. 206 ist der Würde der Frauen in Israel gewidmet. So möge denn dies Buch seinen Weg durch die Wohnungen Israels machen, und mit dem Zauber seiner Diktion und der Fülle seines Inhaltes die Kaltsinnigsten und Fernsten an sich ziehen, und dem Judenthume Herzen und