Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 11 (15.11.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-11-15
- Page
- Seite 601 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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601 — stützen, ungeachtet sie natürlich alle rabbinischen Vorschriften über-- treten mußten. Aber ich gehe noch einen Schritt weiter. Angenommen, daß ein solches Individuum, das Sie erwähnen, behauptet, seine eigenen Grundsätze in Bezug auf das Judenthum und dessen verschiedene Vorschriften oder Gesetze zu haben. Er hängt vielleicht mit Leib und Seele am Jndenthum, glaubt fest an dessen Grund nnd Wesen, und ist auch fest überzeugt, daß ״Gottes Wort in aller Ewigkeit bleibt"; aber er unterscheidet in Folge rationeller Erklärungen, die ihm beigebracht worden sind, zwischen ewig bin« denden nnd temporären Gesetzen. Er behauptet, wie Tempel und Opfergesetze, die mosaischen Polizei- und Rechtsgesetze nicht länger für uns geltend und verpflichtend sind, so gebe es andere Lokal- und medizinisch-diätetische (wofür er sie zufolge seiner irrthümlichen Auffassung ansteht), die unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht gehalten werden können, alles Uebrige dagegen, was die Glaubenslehren, die moralischen Gebote, das Gebet, die Aufnahme der Kinder in den Bund, die Feiertage u. s. w. betrifft, ist ewig bindend. Würde da ein Christ sagen können, daß ein Solcher ein Mensch ohne Glauben sei? Sollte es ihm wirklich schwer fallen, sich zu erklären, wie Jemand, der an Gott den Vater Aller (wie ich lieber ausdrücke, als daß ich sagen sollte: der Gott Abraham's, Jsak's und Jakob's, welches Ausdruckes die Schrift sich nur bedient, um den wahren und einzigen Gott, den Israel angebetet, im Gegensätze zu den falschen Göttern der Heiden zu bezeichnen) glaubt, dies verant- Worten könne? Wenn es etwa einem christlichen Laien einfallen sollte, einen Jseaeliten darüber zu Rede zu stellen, würde ihm dieser etwa in folgender Weise antworten können: Bin ich auch kein Geistlicher, so habe ich mich doch nichts desto weniger mit den den Christen heiligen Schriften bekannt gemacht, und ich habe nirgends gefunden, daß Jesus irgend eines von den Geboten aufgehoben hat, welche den Israeliten gegeben sind, nnd wo er irgend ׳ eine von den rabbinischen Satzungen übertrat, gab er seine Entschuldigungögründe ganz in Uebereinstimmuug mit der rabbinischen Erklärnngsweise an; und ich habe gelesen, daß die Apostel alle Gesetze für verbindlich erklären; nur weicht Paulus darin