Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 11 (1.11.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-11-01
- Page
- Seite 585 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 585 — Erörterungen es schwerlich näher legen. Aber zu einem Ausspruch: das ist mir unbegreiflich! berechtigt das noch nicht. Man kann in seinen Schlüft sen auf anderweitige Ergebnisse gelangen, als ein anderer Autor, aber dessen Meinung für unbegreiflich erklären heißt ihn öffentlich des Unfinn's zeihen, und das ist immer ein wenig stark. Wenn ich etwas nicht begreife, so überlege ich lange, ob ich es öffentlich anssprechen soll. Es kann ja an meiner eigenen Fassungskraft liegen, und dann wäre Schweigen ficherlich-.gerathener. ״Doch darum keine Feindschaft nicht!" sagt der Berliner. Weit entfernt, mich von diesen und ähnlichen Bemerkungen verletzt zu fühlen, namentlich wenn sie aus so achtbarer Hand kommen, welche die meinige so oft mit warmer Freundschaft drückt, die ich mit gleicher Herzlichkeit erwidere, kann ich doch nicht umhin, ein ernstes Wort über den Mißbrauch der Kritik hinzufügen, der bereits wiederholentlich vorgekommen ist. Wem die Wahrheit über Alles geht, der wird die Gelegenheit stets mit Dank begrüßen, welche die Zeitschriften darreichen, um Jrrthümer aufzudecken und zu berichtigen, und keinen Anspruch auf Schonung erheben, wenn er selbst dadurch gezwungen wird, eigene Schwächen einzugestehen. Ich muß hier schon, da ich angegriffen worden, pro arn sprechen. Wie gewissenhaft ich selbst jeden mir gegebenen Wink beachte, wird wol aus meinen Zusätzen und B e r i ch t i g u ng e n, die ich veröffentlicht habe (obgleich fast alle die Urheber so artig waren mir ihre Bemerkungen privatim zuznfertigen) genugsam anerkannt worden. Nicht nur nehme ich dankbar alle Belehrungen auf, sondern ich scheue die Mühe nicht , neue Forschungen anzustellen, um die Bedenken Einzelner, auch da. wo solche nicht entschieden mir entgegen treten, nochmals gehörig zu würdigcn, und das Ergebniß vor die Oeffentlichkeit zu bringen. Allein, das glaube ich, wird ein sonst fleißiger Schriftsteller erwarten dürfen, daß nicht jeder Leser eines viel verzweigten wissenschaftlichen Werkes seine flüchtig hingeworfenen Glossen eilfertig in die Zeitschriften einrücken, und Gegenbemerkungen oder Erläuterungen verlange, wozu am Ende ein Leben nicht ausreicht! Was sollte aus den Zeitschriften werden, wenn nur etwa 10 Werke, von je einigen Hundert Seiten, die Aufmerksamkeit unserer zahllosen Schriftsteller ansprechen, und diese sich Jeder insbesondere bewogen fänden, ihre Randglossen den Zeitschrift ten zu übergeben, Alles um der Wahrheit willen, derer, die muthwitlig dem Autor was anhaben wollen, nicht zn gedenken,? Was würde man da den Lesern, was den Autoren zumuthen? Und doch ist es keine moralische Kleiuigkeit die Autoren, welche immerhin auch ihre Verdienste haben, so ohne Weiters zur Zielscheibe ihrer kritischen Pfeile hinzustellen, und zugleich ihren Ruhm und des Verlegers Eigenthum vor einem oft ganz urtheilslosen Publikum zu bemakeln!! Wahrlich, es gewährt mir einige Genugthuung zu sehen, daß im Allgemeinen so etwas selten geschieht, denn es beweist einen richtigeu Takt aus Seiten der sehr großen Anzahl, welche an fremden Arbeiten Mißgriffe und Fehler entdeckt zu haben vermeinen! Man darf auch wirklich schon mit Recht