Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 10 (15.10.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-10-15
- Page
- Seite 554 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 554 — im höchsten Stile gehaltenen rednerischen Muse, und seine fortlaufenden Homi- Ken, bilden ein Werk, das die schwierigsten Forderungen der Bibelforschung mit dem innigsten Gefühlstone in Einklang bringt, und Geist und Herz in gleicher Weise anregt. Ihm ist in neuester Zeit Präger in Mannheim mit einem vielversprechenden schönen Streben nachgefolgt. Der übrige Raum wird von den dii minorum gentium ausgefüllt; und wie in alten Gebieten, haben es auch hier die Edlen und Tüchtigen zu verantworten, daß die Mittelmäßigkeit den leer gelassenen Boden ausfüllt. Vielleicht wäre es gestattet, von dem tiefen Schweigen, das im Gebiete der Erbauungsliteratur in Deutschland herrscht, einen günstigen Schluß zu. ziehen auf die Wirksamkeit und unbestrittene Herrschaft des rednerischen Wortes selbst. Eine genauere Vertrautheit mit dem Wesen der Kanzelberedsamkeit verwehrt mir, diese Trostgründe anzunehmen. Wer die Verhältnisse der Predigt in den jüdischen Gemeinden kennt, der wird mir beipflichten, daß fie noch jetzt eines festen, scharf ausgeprägten Stils entbehrt. Ein solcher Stil, dessen das große Talent zu spotten vermag, kann von dem Talente zweiten Ranges nur mit großen Nachtyeilen entbehrt werden. Er bildet sich nur da wo eine lange Reihe guter Muster vorleuchtet, und solche Muster sind noch, lange nicht in genügender Zahl und Vollständigkeit vorhanden. Dazu scheint es vonnöthen, daß, außer den obengenannten noch andere Redner von Bedeutung, die bis jetzt mit ihren Beiträgen ansgeblieben, oder nur Einzelnes veröffentlicht haben, wie Goldschmidt, Jellinek, Löw, Schwabacher, die Reihe vervollständigen, und daß selbst namhafte Jüngere, wie Hirschseld (in Fünfkirchen), Schwarz in Köln u. A. sich ihnen beigesetlen. Mittlerweile gewinnt es den Anschein, als ob die strenge Form der Homilie für unsere leichtbeschwingte Literatur eine zu gewichtige, zu anspruchsvolle Erscheinung sei. Meisel hat vor mehreren Jahren schon in seinen Homilien über den Traktat Abot die Bahn gebrochen, das ׳Werk der Erbauung in die Form volksthümlicher Schriften zu fördern. Auch der Verfasser der oben angezeigten Schrift , einer der bedeutendsten jüngeren Prediger Oesterreichs scheint sich für diese Mittelgattung zu entscheiden, und er spricht sich darüber in dem Vorworte folgendermaffett aus:-״Die Kanzel allein vermag nicht Alles. Sie muß durch eine tüchtige Volksliteratur unterstützt werden. Ja, tüchtige Volksschriften thun uns Roth, die den kernigsten Inhalt mit der ansprechenden Eleganz der Form verbinden, und die, getragen von echt jüdischem Sinn und Geist, dabei leicht faßlich und verständlich im Stande wären, in jedes Haus und jede Hütte Israels sich Eingang zu verschaffen, um dort den Sinn für Israels höhere Güter und Kleinodien wieder zu wecken, und zur warmen Flamme anzufachen in allen Herzen." Wir pflichten diesem schönen Vorsatze bei, welcher das Gebiet des jüdischeu Geistes mit einer neuen bedeutenden Gattung bereichern will, und ohne unseren oben gestellten Anforderungen etwas zu vergeben, begrüßen wir mit wahrer Freude die Erscheinung der Schmiedl'schen Betrachtungen.