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Ben Chananja · 1860-10-15 · 10 (15.10.1860) 2. Hälfte · p. Seite 553

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
10 (15.10.1860) 2. Hälfte
Date
1860-10-15
Page
Seite 553 (sequence 25)
Language
German
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— 555 — Papier und Druck find recht gut, und der Preis ist von der Verlagsbuchhandlnng möglichst niedrig gestellt. Ä. Roseumeyer, israel. Muster-Hauptschullehrer. Sanfittnim. Betrachtungen über die fünf Bücher Moses, nach Ordnung der Wochenabschnitte, ein Buch für Schule, Haus und Tempel, von Dr. A. Schmiedl, Prag 1859. Angezeigt von H. Zirndorf. Die oft. beklagte Gleichgiltigkeit, womit unser sammelndes und forschendes Zeitalter den selbständigen Schöpfungen des Geistes sich ferne hält, wird von der asketischen Literatur vielleicht am Schwersten empfunden. Scharfsinnige Untersuchungen, ernster Sammlerfleiß ist bekanntlich gar zu sehr mit einem kalten Gemüthe und mit einem leeren Herzen vereinbar, als daß nicht in den meisten Fällen der Boden durch sie unfähig werden sollte, für das schöpferisch anregende Wort. Die Erbauungsliteratur kann jenes unsaflistischen Antheils um so weniger entbehren; denn, auf die ׳ lebendige Mittheilung angewiesen, gleicht sie ohnehin auf dem Blatte einer Pflanze, die durch ungünstiges Geschick in einen rauheren Boden verpflanzt worden, wo mit der Hälfte ihrer Gigenthümlichkeiten der beste Theit ihrer Wirkung ihr verloren geht. Kaum daß die ältere asketische Literatur, geadelt durch den Staub der Jahrhunderte hie und da aus den Bibliotheken und Handschriften zu einer neuen Auflage sich emporrafft; auf die jüngeren und zeitgenösfischen Bestrebungen lastet , fort und fort der Druck einer blasirten und vornehm ablehnenden Zeit. ''""H^ . So erklärt es sich auch, daß dieser Zweig des Schrift thumes in neuer und neuester Zeit so wenige Sprossen und Keime getrieben, und daß unter diesen noch weniger sich befinden, welche durch'Reife und Gediegenheit einem geläuterten Sinne und Geschmacke genügen können. Berühmte und geistvolle Kanzelredner wie Sachs, Kämpf, Anb, Geiger, Meyer n. A. haben bis jetzt mit seltener Beharrlichkeit die Mittheilung ihrer Vorträge durch die Presse vermieden, und sich lediglich auf das lebendige Wort beschränkt. Andere, nicht minder hervorragende, wie Mannheimer, Pleßner, Kley u. A., die einst mit den ersten Mustern des geistlichen Stils in Deutschland auftraten , haben sich selbst seit Jahren das tiefste Schweigen auferlegt. Man kann sagen, die jüdische Kanzelberedsamkeit ist als literarische Muse in Deutschland so gut wie verstummt, und von jener frischen Lebendigkeit, die sie noch vor mehreren Jahrzehnten entfaltete, sind nur noch wenige Spuren übrig geblieben. Außer Philippson, Bitter, Herzfeld und einigen Andern schwingt nur noch der treffliche Stein das Banner einer edlen, *) S. vorigen Jahrgang S. 577,

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