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Ben Chananja · 1860-10-01 · 10 (1.10.1860) 1. Hälfte · p. Seite 526

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
10 (1.10.1860) 1. Hälfte
Date
1860-10-01
Page
Seite 526 (sequence 30)
Language
German
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— 526 Vereines in eine ordentliche Gemeinde jedoch wnrde die Forderung nach einer Schule von Oben herab immer drängender und bestimmter. Die Gemeinde aber will und kann auch jetzt nicht in obige Forderung eingehen. Sie kann es nicht, weil ihr vor Altem der nervus rerum, das Geld hierzu noch fehlt. Eine so junge Gemeinde, die ihren vor sechs Jahren erbauten Tempel noch nicht schuldenfrei, den Predigtstuhl und den Rabbinerfitz noch leer stehen hat, kann doch nicht die Legion der'zu schaffenden Institutionen aus dem Boden herausstampsen. Sie kann es ferner nicht, weil doch, Gott sei Dank, die Israe- Uten hier nicht in einem Ghetto beisammen wohnen, und man die Kinder in dem zarten Mer doch nicht verhalten könnte, durch ״Nacht und Wind", durch Winterstürwe und Sonnenhitze aus allen Enden der Stadt regelmäßig in ihre Schule zu wandern. Die Schule müßte denn bei solchen Umständen zu gewissen Jahreszeiten an einer Absenzenfülle leiden, und der Unterricht bei stetem Wiederholen stehen bleiben. Die Gemeinde will es aber auch nicht, weil sie einerseits sich die Schulthüren nicht vor der Nas^ zuschlagen, oder deutlicher: ihre Kinder nicht aus den öffentlichen Volksschulen hinausjagen lassen will, und andererseits des probatesten Mittels gegen Konfesfionshaß, der gemeinschaftlichen Schulbank, nicht entbehren will. Ja, der Gemeinde jedoch gleichsam das Messer an die Kehle zu setzen, erklären wie ans eine gegebene Parole, die Direktoren der verschiedenen Hauptschulen allhier, daß im künftigen Schuljahre kein jüdischer Schüler aufgenommen werden könne. Man kann flch die Beschämung der Kinder über diese Zurücksetzung und die Mißstimmung der hiesigen Israeliten über eine solche Kundgebung leicht vorstellen. Zum Glücke fand der Kultus-Vorstand bald Gelegenheit, die Sache zu planiren. Unser neuer Hr. Statthalter hat nämlich mit einem den Landesbehörden seinen Amtsantritt anzeigenden Rundschreiben auch unfern Landes-Rabbinen beehrt, und hierbei die Verficherung ausgesprochen, daß er die Angelegenheiten der Israeliten, sowie die der andern Religionsbekenntniffe, ohne Unterschied zu vertreten bereit sei. Bei der hierauf erfolgten Vorstellung des Landesrabbiners und der hiesigen Gemeinde-Vertreter ward von letzteren die erwähnte, willkürliche Maßregel der Schuldirektoren zur Sprache gebracht. Der Hr. Statthalter versprach sofortige Abhilfe, und hat bereits sein Wort gehalten; denn die Aufnahme der Schüler findet schon wieder ohne Unterschied der Religion statt. Die Hauptfrage aber, ob separirte Schule oder nicht, soll erst beim Ministerium entschieden werden. Auch die zweite, die Rabbinerfrage, soll jetzt ihrer Lösung entgegen gehen. Durch eine zweimalige Konkurs-Ausschreibung haben wir nicht weniger als 50 Kompetenten, darunter Männer von anerkannter Tüchtigkeit, die jeder Gemeinde zur Zierde gereichen dürsten. Wir haben auch schon einige Gastpredigten gehört, unter diesen am verflossenen Samstag כי תבוא, Hrn. Fr. Schwabacher, Prediger in Lemberg. In ihm haben wir einen jener geborenen Redner erkannt, die ihre wohldurchdachte Predigtskizze ex inpromptu zu halten iw Stande find. Für den Kenner war es höchst Interessant zu sehen, wie der Mann auf

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