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Ben Chananja · 1860-10-01 · 10 (1.10.1860) 1. Hälfte · p. Seite 524

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
10 (1.10.1860) 1. Hälfte
Date
1860-10-01
Page
Seite 524 (sequence 28)
Language
German
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— 524 — eine Manifestation kann nicht, wie schon gesagt, von den andern getrennt, als thätig aufgefaßt werden. Während des Schlafes, wo die Thätigkeit einer Manifestation — die Sinne — ruht, kann der Mensch nicht denken, und was er etwa dunkel und verworren denkt, sind keine Gedanken, sondern Träume. Diese eben angeführten Thatsachen wird wol Niemand bestreiten wollen; auch den Satz nicht, den schon Wieland ausgesprochen: ״Zum richtigen Empfinden ist richtiges Denken nothwendig." Warum sollte nun gerade das parodor erscheinen, daß man ohne reges Gemüth, ohne warm fühlendes Herz, auch keine richtigen, göttlichen Ursprung bekundenden Gedanken Hervorbringen könne, da man doch früher hat zugestehen müssen, daß die Funktion einer Manifestation nur in Verbindung mit denen der andern Kraft und Leben haben könne?? Warum sollen nun die eingangsangeführten Ausdrücke der Bibel parodor erscheinen? Deuten sie nicht vielmehr aus die hier besprochene Auffassung des menschlichen Wesens in Bezug ans seine Lebensthätigkeit? Der Mensch wird daher als zugleich mit dem Herzen denkend dargestellt. Daher sagt Salomo: ״Ich richtete mein Herz dahin, um Weisheit zu erkennen." Und als der junge König Salomo den Herrn um Weisheit anfleht antwortet ihm dieser: ״Siehe, ich gebe dir ein weises , verständiges Herz." Weisheit und Verstand, die nicht getrennt vom Herzen thätig sein werden. — Von der Notwendigkeit der harmonischen Ausbildung aller Manifestationen wurde schon gesprochen; und es wäre vielleicht der Mensch der am vollkommensten Ausgebildete zu nennen, bei dem bei jeder einzelnen Aeußerung seines Wesens sich zugleich alle Manifestationen desselben bekunden und zum Ausdruck kommen würden. Was ein solcher Mensch dächte, wären wahrhaft große Gedanken, zu nennen; was er denkt, ist von seinem Gemüthe erwärmt, was er empfindet, ist von seinem Geiste erleuchtet. Das Herz ist leichter erregbar, erregt aber wieder sehr den Geist, und Geist und Herz anderer zugleich; daher der bekannte Ausspruch unserer Alten: ״Worte, aus dem Herzen kommend, dringen wieder in's Herz." Und ein berühmter französischer Schriftsteller that den Ausspruch: ״Große Gedanken kommen aus dem Herzen." Noch mehr aber zeigt für die hier ausgesprochene Ansicht, daß derjejenige, der am meisten die Weisheit besang, doch ausrüst: ״Mehr alBalles zu Bewahrende habe Acht ans dein Herz, denn von hier entströmmt die Lebensquetle." Das Leben aber begreift das Leben des Geistes, des Gemüthes und des Körpers zugleich in sich. Die hier ausgesprochene Deutung des letzter« Salomonischen Spruches mögen vorzüglich alle Jene bedenken, deren Ausgabe Unterricht und Erziehung ist, auf daß ihr Wirken unserem Vaterlande und Volke Segen bringe.

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