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Ben Chananja · 1860-10-01 · 10 (1.10.1860) 1. Hälfte · p. Seite 522

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
10 (1.10.1860) 1. Hälfte
Date
1860-10-01
Page
Seite 522 (sequence 26)
Language
German
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— 622 insofern äußert er seine Wesenheit als Körper; inwieferne er seine Wesenheit dadurch äußert, daß er die Wesenheit seiner Mitmenschen (auch die anderer Mitgeschöpft, zuweilen Thiere, Pflanzen), auf eine unfern Sinnen nicht wahrnehmbare Weise auf sich einwirken läßt, d. h. sich von derselben zur Freude oder zur Traurigkeit, zur Liebe oder zum Haffe, zum Thun oder zum Lassen erregen läßt, insofern äußert er seine Wesenheit als Gemüth; inwieferne er endlich seine Wesenheit dadurch äußert, daß er auf eine unfern Sinnen ebenfalls nicht wahrnehmbare Weise mit dem ganzen All, nicht blos mit der Materie desselben, sondern auch mit dem Gedanken, die daran zu knüpfen sind, in die engste Verbindung tritt, d. h. inwieferne ihn das All zum Denken bestimmt, und er also Gedanken denkt, die sich auf alles Daseiende, auf den Zusammenhang desselben als eines Ganzen beziehen, insofern äußert er sich als Geist, als denkendes Wesen. Diese drei Manifestationen stellen derart zusammen das menschliche Wesen dar, wie ungefähr die drei Faktoren eines Kunstwerkes das Kunstwerk. Nach den Lehren der Aesthetik hat man bei jedem Kunstwerke — sei es ausgedrückt durch die Sprache, durch Töne eines Instrumentes, durch den Pinsel des Malers, oder endlich durch Marmor und Erz — ans drei Momente Acht zu haben: auf den Stoff, auf den Gehalt, d. h. ans das, was der Künstler von seinem Gemüths- und Geisteswesen in das Kunstwerk hinein gelegt, und drittens auf die Form. Diese drei bilden nur in der innigsten Verschwelzung den Werth des ganzen Kunstwerkes, und ein Moment ohne die andern zwei ist durchaus nicht geeignet, sich als Kunstwerk zu manifestiren und irgend eine Wirkung auf den Menschen hervorzubringen. Und wie, bei des größten Meisters größtem.Kunstwerke, beim Menschen sollte nicht dasselbe gelten?? — ja, es gilt dasselbe! Und zum Beweise, daß es gilt, will ich die Bibel selbst anführen. Bei der Schöpfung des Menschen heißt es: ״Und Gott bildete den Menschen aus Erdentheitchen (Staub) von der Erde." Hier werden wir über den Stoff belehrt. Aber noch entbehrte das Kunstwerk Altes höhern Gehaltes, deßhalb heißt es weiter: ״Und Gott hauchte ihm ein den lebendigen Geist, und er wurde ein beseeltes Geschöpf." Hier werden wir über Gehalt und Form belehrt. Der erstere kam vom Künstler selbst, ist also göttlich und ewig; letztere ging aus Stoff und Gehalt hervor, und wurde das Ideal der lebenden Erdenformen. — Was das menschliche Gemüth betrifft, ist es theils in seiner stofflichen Zusammensetzung begründet, theils hängt es von seinem geistigen Gehalte ab (und hier ist nicht der Ort, um dies weiter auseinander zu setzen). Ueber. die Art und Weise der Vereinigung dieser drei Manifestationen — Geist, Gemüth und Körper — zu einem einheitlichen Wesen kann, wie schon gesagt, die menschliche Vernunft keinen Aufschluß geben, und es bleibt für uns ein Geheimniß. Unsere Religion aber belehrt uns mit der erhabenen trostreichen, den Menschen beglückenden Wahrheit von der Trennung des Geistes, vom Körper nach dem Tode, von der Unsterblichkeit der Seele als eines fortdauernden, selbständigen Wesens. ״Das Verborgene ist nur für den Herrn

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