Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 10 (1.10.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-10-01
- Page
- Seite 521 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 521 — tfetjlanb aiii) Herz nach Mischer Änffajsnng. Von 3. W. Schutze Realschullehrer. Jedem, der unsere heil. Schriften mit Verstandniß gelesen hat, wird es bekannt sein, daß sehr oft, wo daselbst vom menschlichen Verstände, vom menschlichen Denken die Rede ist, der Begriff des Denkens und Erkeuuens mit dem Herzen in Zusammenhang gebracht vorkommt, während doch nach unseren heutigen Begriffen das Herz nur der Sitz der Gefühle ist. Von den häufigen Beispielen sollen nur folgende angeführt sein; ״Ein verständiges Herz sucht nach Kenntniß." ״Siehe, ich habe dir gegeben ein weises, verständiges Herz." ״Und Gott gab euch ein Herz zum Erkennen." ״Den, der weisen Herzens ist, nennt man einen Vernünftigen." ״Auf daß du dein Herz zur Erkenntniß neigest." Gewöhnlich hört man auf diese Bemerkung die Antwort, daß stch die Alten den Sitz des Verstandes nicht wie wir Neuern im Kopfe, sondern im Herzen dachten. Und hiemit glaubt mau so zu sagen die Alten sammt der Bibel zurecht gewiesen und eines Bessern belehrt zu haben, wie man es ungesähr bei dem Verse: ״Die Sonne blieb stehen in Gibeon!" gethan. Jene Ausdrücke scheinen uns allerdings nach unserer heutigen anthropologischen Anficht etwas parador (״ein denkendes, ein verstehendes Herz", denkt oder versteht man mit dem Herzen? muß man sich fragen), und zwar zunächst deshalb, weil es herkömmlich ist, Geist und Herz, somit auch Denken und Füh- Leu als zwei schroffe Gegensätze aufzufaffen, und man sich in diesem Falle wenig darum kümmert, wie man letztere im Menschen ausgleichen könne, und daß man bei dieser Auffassung dem Begriffe der Einheit des menschlichen Wesens nicht unbedeutenden Abbruch thue. Wenn man sich aber zuvörderst recht klar darüber geworden ist, was eigentlich Geist und was Herz — oder Gemüth נפש — sei, dürste es vielleicht unschwer fallen, sich mit den genannten Ausdrücken, und daher auch mit der derselben zu Grunde liegenden. Auffaffungsweise zu befreunden, und das Paradore derselben wird von selbst schwinden. Wenn wir uns an der Thatsache des vereinigten Bestehens des menschlichen Wesens aus mehreren Potenzen halten — über das ״Wie" dieser Vereinigung vermag die Vernunft keine Aufklärung zu geben, wol aber die Reli-׳ gion — so können wir sagen : Das menschliche Wesen tritt als Einheit in die Erscheinung, manifestirt aber seine Wesenheit auf drei verschiedene Weisen, nämlich: als Körper, Gemüth und Geist, und diese drei sind daher nur als verschiedene Manifestationen des vereinigten menschlichen Wesens aufzufaffen. Jnwieferue der Mensch seine Wesenheit dadurch äußert, daß er auf eine unfern Sinnen wahrnehmbare Weise mit der ihn umgebenden äußern Welt in die engste Verbindung tritt, d. h. die Materie derselben auf ihn einwirkt, sich sogar mit ihm innig verbindet (Nahrung) und er wieder auf sie zurückwirkt,