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Ben Chananja · 1860-10-01 · 10 (1.10.1860) 1. Hälfte · p. Seite 520

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
10 (1.10.1860) 1. Hälfte
Date
1860-10-01
Page
Seite 520 (sequence 24)
Language
German
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520 — es niemals in den Sinn kam, Thalmudisten zu werden. Hr. L. möge daher versichert sein, daß wir ihn entschuldigen, nicht verletzen wollten; denn daß Ln seinem betreffenden Aufsatze die Abbreviatur ״Schelu" als zusammengezogener Name des Autors bezeichnet wird, ist unleugbare Thatsache, welche nicht nur aus der Stellung der Anmerkungen, sondern auch aus dem Plurals der zweiten Anmerkung ״zusammengezogene Namen" über jeden Zweifel erhoben wird. Der Vorwurf der Unachtsamkeit, den uns der wackere Vers, macht, ist mithin unbegründet. Uebrigens war der ״Mejüches", wie ihn Hr. L. schildert, stets nur in Polen zu Hause, und ist derselbe als Nachahmung des Mittlern polnischen Adels zu betrachten, welcher seit dem Reichstage von Cheneiny unter Wladislaw dem Kurzen (1331) zu bedeutsamen Vorrechten und großem Ansehen gelangt war, wie denn überhaupt polnische Sitten bei den aus Deutschland nach Polen eingewanderten Juden sehr einheimisch wurden, so daß die (in einige» Stücken modisizirte) altpolnische Kleidung von der polnisch-jüdischen Orthodoxie bis auf den heutigen Tag hoch in Ehren gehalten wird. In Polen bildeten daher die Mejuchaßim, gleich den Edetleuten, einen eigenen Stand, der sich am liebsten unter einander verschwägerte. Die polnisch-jüdischen Zustände boten daher auch Analogieen für den ״Kampf des persönlichen und des ererbten Adels", wie Hr. L. mit Recht bemerkt. In der Geschichte der Juden anderer Länder dürfte ein solcher Kampf wol schwerlich nachzuweisen sein, wiewol der Adelsstolz auch den spanischen Juden nicht fremd war: Don Jsak Abravanel, — der in Portugal, Spanien und Neapel den Herrschern' nahe stand, und mit Alfons II. nach Messina floh, als Karl VIII. (1496) das neapolitanische Reich bedrohte, — rühmt sich seiner angeblichen Abkunft vom Könige David (Komm, zu Zech. 12, 6. Carmoly O. Nechm. 2, 61.), und Menaffe b. Israel, welcher sein Werk über die Unsterblichkeit der Seele (נשמת חיים) dem Kaiser Ferdinand III. widmete, sagt in der Dedikation: Ego enira , licet Hebraeus, sura tarnen ex nobilissinis familiis Hispaniam egressis mei enim filii, quoad matrem, sunt ex familia Abarbanelis. . . . Diese Spezialitäten bestätigen die auch sonst historisch gesicherte, aber häufig unbeachtete Wahrnehmung, daß die Juden zu allen Zeiten den mächtigen Einfluß ihrer Umgebung erführen. Die Erscheinungen und Regungen des jüdischen Lebens können daher ohne genauere Kenntniß der von Außen auf sie einwirkenden Eles mente weder gerecht beurtheilt, noch gründlich verstanden werden. Wie der ״Mejüches" in Polen nur aus den polnischen Zuständen verständlich wird, so gilt dasselbe von zahlreichen Erscheinungen in andern Ländern. Die Attschaunngen, welche die biblische und thalmndische Zeit von reiner und edler Abkunft hatte, und das damit verbundene Prinzip der legitimen Erblichkeit nationaler und kommunaler Würden werden wir, so bald wir Zeit dazu gewinnen, zum Gegenstände einer speziellen Forschung machen, und die betreffende Abhandlung dem Hrn. L. R. Landau widmen, um ihm für die vermeintliche Verletzung Genugthuung zu geben.

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