Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 10 (1.10.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-10-01
- Page
- Seite 512 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 512 — gen ganz wohl anerkennen, ohne darum dieselben von Neuem einzunehmen, nachdem sie längst überwunden sind, Oftmals haben die sonst begeisterten Odendichter mit einigem Geschick gute Lieder gedichtet — von echter Dichtung kann bei einer tobten Sprache, deren Schall und Laut nicht mehr im Volke vernommen wird, überall nicht die Rede sein — allein, wenn sie die Natur im Einzelnen preisen, fehlt ihnen noch manche Anschauung, die heute jedem Kinde zugänglich ist; wie können nun einfache Unwahrheiten zur Erbauung dienen? — Man mag die Fehler entschuldigen, aber sie noch jetzt als heilig! beim Gottesdienste zu. singen, hieße sich selbst die Augen verbinden. Ganz dasselbe Verhältniß begünstigen diejenigen, welche alle Geister- und Dämonengeschichken und alle Sympathien und Wunderkuren babylonischer Lehrer des frühen Mittelalters als höhere Wissenschaft in Schutz nehmen wollen. Die reine Wahrheit, Freunde, offen und ohne Rückhalt ausgesprochen, ist die beste Wehr gegen feindliche Anfälle. MMrlmgm im gebiete Mischer Vorzeit*). Von Dr. Garrnoly. **) 26. Der berüchtigte Angeber Kraus. Löb Kraus oder Kräusche, in der Frankfurter Judengaffe geboren, war ein Mann von einem ebenso bösen Charakter als schlechtem Rufe. — Atlgemein von seinen Glaubensbrüdern verachtet, haßte er alte Juden und beschwor ihren Untergang. Mit Ungeduld erwartete er eine Gelegenheit, seine Wuth an ihnen auszulassen. Im Jahre 1603 (1600 bei Jospa Hahn ist ein Druckfehler) in der Herbstmesse zu Frankfurt a. M., haben die Juden von ganz Deutschland eine allgemeine Versammlung gehalten, wie sie solche 1510 , 1542 und 1683 im dänischen Reiche hielten. Der Zweck dieser Versammlung war, wie die früheren, Ordnungen unter sich zu machen, um die innere Ruhe und Einigkeit zu befördern. Zu diesem Ende wurde beschlossen, den fünf Rabbinaten von Frankfurt, Worms, Friedberg, Fulda und Ginzberg, die Leitung alter in dem römischen Reiche wohnenden Israeliten zu übergeben. Sie hatten über Erhall tung der Privilegien zu wachen, die jüdischen Abgaben rechtmäßig zu repartiren, alle Streitigkeiten zu schlichten, die Unschuldigen zu beschützen, und die *) S. 1. Heft, S. 19. **) Am Schluffe der Wanderungen, die 100 Nummern enthalten werhen, gibt der geehrte und gelehrte Hr. Vers. Nachweise und Anmerkungen. Red.