Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 10 (1.10.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-10-01
- Page
- Seite 508 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Colmar 1× ep/1047872
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— LOS gen sollen nicht zu einem verderblichen Wetteifer Anlaß, sondern der gegenseitigen Anerkennung Nahrung geben, .wodurch der Hauptzweck erreicht wird. Zunächst beschäftigt mich eine Streitschrift zum Schutz des Thalmud gegen ungerechte Vorwürfe. Sie führt den Titel: ״Le Judaisme ou la vsrits sur le Talmud, par S. Klein, grand rabbin de la circonscription de Colmar. Mulhouse 1859." Hervorgerufen ist diese Schrift durch feindselige Angriffe eines Franzosen M. L. Veuillot auf die jüd. Religionsquellen, wunderbar genug in einem Lande, wo die unbedingteste Religionsfreiheit herrscht, und dergleichen Kontroversen kaum noch zu erwarten waren. In der That konnten veraltete Kämpfe, die von Seiten der Gesetzgebung als vollkommen erledigt betrachtet werden, gänzlich mit Stillschweigen übergangen werden, da sie keine Wirkung haben. Dennoch muß niaN es billigen, wenn sachkundige Vertreter der Religion den Handschuh aufnehmen, um nicht die neue Aussaat aufwuchern zu lassen, indem das anfschießende Unkraut wol hie und da auf andern Boden verpflanzt werden könnte, wo es die gedeihlichern Pflanzungen der Neuzeit verderben möchte. Hr. Klein darf also aus den Dank aller derer rechnen, die er zu vertreten beabsichtigt. Er thut es mit der Würde und Besonnenheit des edelsten Bewußtseins, und bedient sich blos der reinen Waffen einer geübten Beredsamkeit und eines für seine Religion begeisterten Mannes, ohne Bitterkeit und Hintergedanken. Die Schrift des Hrn. Klein ist zugleich in deutscher Sprache erschieneu; sie wird überall, wo eine der beiden Sprachen gelesen wird, ihre Wirkung nicht verfehlen. Sie setzt die Kenntniß der Bibel voraus, und nimmt sich vom Standpunkte der strengsten Orthodorie der sogenannten Tradition an, sucht deren Noth- Wendigkeit einleuchtend darzustellen, und die angefochtenen Meinnngen und Lehren, nach ihrem oft mißdeuteten Inhalt, Nach allen Seiten hin zu beleuchten, um namentlich deren ethischen Werth . vor den oft genug wiederholten Vorwürfen zu beschützen. — Hr. Klein löst seine Aufgabe mit Gewandtheit, ohne alle Spitzfindigkeit, und ohne sehr viel Dialektik aufzuwenden. Es ist dies nur zu loben. Leider gibt es Erkenntnisse, di« immerfort von Neuem ausgesprochen werden müssen, um nicht in Vergessenheit zu gerathen, zumal, wenn sie der Haß und die Halbwisserei immer wieder in Frage stellen will. Demnach möchten wir das Merkchen des Hrn. Klein nach seinem wesentlichen Zwecke hin gewürdigt sehen. Wir haben den Standpunkt des Vers, absichtlich angegeben, damit man von ihm ans seine Entwickelung in's Äuge fasse.