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Ben Chananja · 1860-09-15 · 9 (15.9.1860) 2. Hälfte · p. Seite 495

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
9 (15.9.1860) 2. Hälfte
Date
1860-09-15
Page
Seite 495 (sequence 31)
Language
German
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495 — führen,- so daß man sagen kann, nicht die Hochachtung und Ehrfurcht, da- Mitleid nur hat die Beweise der Liebe und Theilnahme zu Tage gefördert. Hier in Böhmen ist es allgemein bekannt, was Frank als Rabbiner seiner Gemeinde geleistet, die Schule verdankt nur ihm ihr Entstehen. Seine Aufopferung und Verwendung allein ermöglichte das Zustandekommen dieses so schönen und heilsamen Institutes, ohne daß die Gemeinde zur Kreirung desselben Opfer bringen mußte; seine bei jeder Gelegenheit an den Tag gelegte Uneigeunützigkeit, sein ehrliches und redliches Streben zum Frommen der Gemeinde, ganz abgesehen von seinem frommen, bescheidenen Wandel vor Gott, hätte ihm doch das Vertrauen derselben sichern sollen — und doch wem sind die Vorgänge in Kollin im Jahre 1850 nicht noch im Gedächtnisse? Wer hätte schon vergessen, in welcher Potenz sich das Mißtrauen gegen Frank, der zur Berathung der jüdischen Kultus-Angelegenheiten einbernsen ward, in der Kolliner Gemeinde steigerte, daß Ln einem dortigen Gemeindelokale der Vorsitzende einer von der dortigen Gemeinde einbernfenen Versammlung es wagen durfte, seine Präsidentschaft zu eröffnen mit den Worten: ״M. H.! Die Pfaffen haben sich zusammen geredet und wollen uns Steuern austegen und uns beherrschen", ohne von einem Mitglieds eine Rüge zu erhalten, ohne daß ein Kolliner so ehrlich gewesen wäre zu sagen: unser Rabbiner macht eine Ausnahme, denn er hat uns ja den Entwurf zur Regelung der Kultusgemeindeu vorgelegt und aufmerksam gemacht auf das, was zu befürchten ist. Nein, nicht Einer ist ausgestanden, und hat zur Ehrenrettung des Frank, des jetzt so tief betrauerten Rabbiners,'seinen Mund geöffnet. Das Haupt zur Ruhe niederlegen und sterben muß erst der Rabbiner, wenn ihm Anerkennung werden soll; was die beredetste Zunge nicht zu erlangen vermochte, das bewirkt dann der stumme blaße Tod; das Leben mit dem brennendsten Schmerz, mit den heiligsten Empfindungen, mit den menschlichen Gefühlen, mit den gerechtesten Ansprüchen wird kalt znrückgestossen und schonungslos behandelt, der verlöschenden Lebenskerze wird erst mit Wärme entgegen gekommen, dann erst, wenn es schon zur Neige geht, zieht das Mißtrauen und die Mißachtung ihre Fühlhörner ein und schickt sich an, den Verklärten mit Achtung und Verehrung zu bekränzen. Kann aber dem HLnscheidenden die Theilnahme am Rande des Todes und nach demselben die tiefe Trauer ein Ersatz sein für die unverdiente Herzkränkung , die ihm ungerechtfertigtes Mißtrauen zugefügt, und dessen Aufrichtigkeit und Redlichleit vor den Augen der Welt mehr noch als in Frage gestellt hat? Die romantische Geschichtschreibung in Eisensta-t. Erklärung. Z ch hin im Besitze anthentischer Dokumente, deren Beroffeutlichung «ns die unzweifelhafteste Weise darthun würde, daß die Darstellung der Peipaer Vew hältniffe im ״Mainzer Israeliten" (Nr. 13) die Wahrheit entstelle und ver-

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