Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 9 (1.9.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-09-01
- Page
- Seite 460 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543076-2543086--1688-2545404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 460 nach der benachbarten Moldau machen. Das galizische Chederweseu, welches bereits mit den grellsten Farben in allen jüdischen Organen geschildert wurde, darf mit dem moldauischen nicht parallelisirt werden; denn nicht genug, daß diese niemals ihre eigenen Melamden hatte, sondern stch mit den aus Galizien kommenden, die aus dem Ausbunde, nicht selten aus entlaufenen Straflingen bestanden, welche in ihrer Heimat nicht sicher waren, sich begnügen mußte; so pflegten noch die Väter eine solche Gleichgiltigkeit gegen die Erziehung ihrer Kinder an den Tag zu legen, daß sie dieses Geschäft gleichsam als zur Wirtschaft gehörend, ihren Frauen zur Versorgung überließen. Und wie komisch mag es wol anzusehen gewesen sein, wie so manche Mutter mit einem so wichtigen Aufträge belastet, einen Familienrath berief, zu welchem auch die Köchin zugezogen war, um über den zu wählenden Hofmeister ihres Söhnleins zu berathen, wobei oft das Votum der Köchin den Ausschlag gab, so daß derjenige, der die Gunst derselben besaß, sicher sein konnte, daß das arme Jüngelchen zu ihm in's Cheder spazieren werde. So war es vor einigen Jahren, wie mir eine geachtete und sehr glaubwürdige Persönlichkeit aus eigener Erfahrung mittheilte. Ob es aber jetzt um den Unterricht schon besser stehe, muß ich noch immer bezweifeln. Diejenigen Väter aber, welche durch Berührung mit der Handelswelt das Bedürfniß einer bessern Erziehung einsehen, schicken gewöhnlich ihre Kinder in die Missionsschule zn Jassy, welche gegenwärtig von 300 jüdischen Kindern besucht wird, wovon unlängst 10 die Tanfe empfingen. Indessen trachten einige dortigen Männer dem Uebel abzuhelfen, und arbeiten an der Errichtung einer jüdischen Schule. In Galatz ist bereits durch die Bemühungen einiger hevorragenden Männer eine jüdische Schule kreirt worden. Auch die moldauische Regierung beginnt den Israeliten einige Aufmerksamkeit zu schenken, indem der dortige Minister für Kultus und Unterricht in einem Erlasse an alle Rabbinen verordnet, daß alle Israeliten der Moldau die altpolnische Tracht ablegen und sich gleich der übrigen Bevölkerung kleiden sollen, welchem auch mit der größten Bereitwilligkeit Folge geleistet wird. Indessen darf man sich keine großen Hoffnungen von dem Wechsel der Tracht machen, da die moldauischen Israeliten auch früher mit der europäischen Kleidung liebäugelten, sich aber dennoch nicht erwähren konnten, am Samstage wieder Kaftan und Zobelmütze anznziehen. Ja, auch im Rocke unternehmen sie Wahlfahrten zu Rebbes, und seit letzter Zeit haust sogar in jedem Städtchen ein Rebbe en mimiature. Ich rufe daher den Israeliten Moldau's zu: Nicht die Kleidung macht den Mann! Suchet Euch mit der europäischen Zivilisation zu befreunden, befestiget das Judenthum durch Gründnng von konfessionellen Schulen, und dann werdet Ihr der Tracht Ehre machen! N. Landes. /. Brünn, 17. August. Am 9. d. M. setzte die durch ihre Einigkeit und Strebsamkeit vortheilhaft bekannte Gemeinde zu Eibenschütz ihrem gottsel. Rabbiner Bernhard Oppenheim ein angemessenes,Denkmal. Der Sohn und Nachfolger des Verblichenen hielt bei dieser Gelegenheit eine ergreifende