Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 9 (1.9.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-09-01
- Page
- Seite 459 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 459 — nicht konzesfionirter. Aufschlag aufs Koscherfleisch bestehe, dessen Erträgnisse, die weit über die Tausende reichen, zur Erhaltung von obscuren Rabbinern und heiligen Quacksalbern, die Pascha's gleich in Ueppigkeit und Schwelgerei leben, verwendet werden. Um aber diesem ungesetzlichen Treiben ein Ziel zu setzen, und für die bisher verschwendeten Summen lieber gemeinnützige Anstalten in's Leben zu rufen, würden sich gewiß alle für das Wohl unseres Volkes beseelten Israeliten in dem Punkte einigen, daß die h. Regierung in ihrer väterlichen Fürsorge den Gemeinden in der Festsetzung des Fondes zur Errichtung von Schulen zuvorkommen, und den bis nun bestandenen Aufschlag auf's Koscherfleisch Ln eine allgemeine Steuer in Galizien, nach Art der bereits bestehenden Fonds in Lemberg, Tarnopol re. zur Dotirung von Schulen verwenden möge. — Leider wollen unsere Pilpulisten sich darauf nicht einlaffen, was uusern Brüdern heilsam ist und frommen könnte, sondern darauf, was ihnen zum Nachtheile dient, indem sie das verrufene Chederwesen in seiner ganzen mittelalterlichen Glorie, welches bei der kleinsten Gemeinde Tausende verschlingt, deren vierter Theit hinreichen könnte, um eine systematische Schule zu erhalten, begünstigen, und jeden bessern Aufschwung im Keime schon ersticken. — Dies im Allgemeinen, und nun wollen wir einige Gemeinden die Revue Yassiren lassen. Im Brzezaner Kreise arbeiten folgende Gemeinden an der Errichtung von jüdischen Schulen: Die Kreisstadt Brzezany selbst an Kreirung einer Hauptschule, ferner an Kreirung von Trivialschulen, Podhajee, und das durch den Sitz eines Heiligen, Ramens R. Maier Przemyslaner bekannte Przemyslauy, dessen Vorstand im Laufe dieses Monats bei der Gemeinde zuBolechow um die Statuten der dortigen Schule ansuchte; auch die Kreisstadt Zloczow hat die Statuten von Bolechow bezogen. Die Gemeinde zu Drohobycz geht ebenfalls mit dem Plane um, eine Hauptschule zu kreiren. So lange indes diese Gemeinden nicht mit Energie und kräftigem Willen aw der baldigen Äusführung ihrer Pläne gleich der kleinen Gemeinde Andrychau*) gehen werden, so lauge kann man sich von diesen Versuchen keine großen Versprechungen machen. — In Czernowitz wird ein großartiges Schulgebäude errichtet. Warum ist aber das Projekt vom Tempelban, der im vorigen Jahre so pompös angekündigt worden, eingeschlummert? Was geschah mit den bereits bezeichneten 15,000 fl.? Es scheint, daß Spaltungen das Zusammenwirken in der Gemeinde, wie auch das Aufblühen der Schule, trotz der so reichen Mitteln erschweren, während in Krakau, wo die deutsche Gemeinde nur aus 400 Mitgliedern besteht, der Bau eines deutschen Tempels mit der größten Energie in Angriff genommen wurde. — Bevor ich aber meinen Bericht schließe, will ich noch einen Sprung *) Andrychau, eine kleine Gemeinde von 70 Familien in Westgalizien, hat in einer kurzen Zeit, d. i. seit der Gewährung der Befltzfähigkeit eine deutsch-israel. Schule kreirt, solche mit tüchtigen Lehrkräften besetzt, ein eigenes Schulhaus eingerichtet, und einen zeitgemäß gebildeten Rabbiner berufen. Die Mittel find niemals klein, wenn nur der Wille da ist.