Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 9 (1.9.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-09-01
- Page
- Seite 458 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542917-2543076-2543086--1686-2545402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
458 — Gemeindekaffe besteuert. Heutzutage klingt dies fast antediluviauisch. Nach einem Jahrzehnt wird es ohne Zweifel nicht minder antediluvianisch klingen, daß die Pester Gemeinde eine ihrer Lehranstalten fast ganz von ihren Schwestergemeinden erhalten ließ. Seit einem Jahre besteht allerdings auch eine Präparandie, und diese werden ohne Zweifel auch die anderen Gemeinden gerne erhalten helfen; auch wird dieselbe, sobald die Pester Gemeinde die Kosten der Hauptschule übernimmt, viel vollkommener eingerichtet werden können. Aber auch außerdem wird ein umsichtiges Komitö manche Fragen zu erörtern haben. So erhält die Gemeinde zu Totis eine Unterstützung aus dem Schulfonde. Wir lassen die Strebsamkeit der T/r Gemeinde gerne gelten. Wer hat aber untersucht, ob es nicht gleich strebsame, aber hilfsbedürftigere Gemeinden gebe? Wurde vermittelst eines Konkurses bekannt gegeben,.daß bedrängte Gemeinden eine Unterstützung aus dem Schulfonde zu Gunsten ihrer Schulen zu erwarten haben? — Wenn ich recht unterrichtet bin, hat ein Rabbiner wegen seiner Verdienste um die Schule eine nicht unbedeutende Summe als Beitrag zu seinen Badekosten erhalten. Ich stelle auch hier die Würdigkeit durchaus nicht in Abrede. Aber die Hilfsbedürstigkeit hat verschiedene Grade. Es gibt in Ungarn Lehrer, die 40 Jahre ihrem Amte lebten, und — betteln!! Warum wird es nicht bekannt gegeben, daß der Schulfond auch Einzelnen nachhelfe, und daß dieselben dort und dort ihre Gesuche einzubringen haben? —- Doch genug. Ich will dem Komitä nicht vorgreifen, dessen Berufung hoffentlich der wackere und umsichtige Pester Gemeindevorstand erwirken wird. £ Pest, im August. In Folge der von der Stadtgemeinde getroffenen Maßregeln werden von dem Kultusgemeinde-Vorsteher folgende Beschlüsse vorbereitet: Die ämtlichen Zuschriften der israel. Gemeinde an den Gemeinderath und das Bürgermeisteramt werden in der Folge ungarisch abgefaßt sein. Dem Hrn. Oberrabbiner wird noch ein der ungarischen Sprache mächtiger Sekretär beigegeben, welcher die dem Rabbinate zukommenden ämtlichen Schriftstücke in's Deutsche, und die Zuschriften des Rabbinates in's Ungarische übersetzen wird. Diese von den Umständen dringend gebotenen Beschlüsse werden nicht verfehlen, einen wohlthätigen Eindruck zu machen. Aus Galizien, Ende Juli. II. Da die h. Regierung gegenwärtig mit ernstem Willen auf die Durchführung ihrer Maßregeln zur Errichtung von jüdischen Schulen in Galizien dringt, so bleibt dem Fanatismus, dem jedweder Gedanke an Schule als Verrath an dem h. Glauben erscheint, keine andere Opposition zur Vermittlung der Wünsche der h. Regierung, als in der Festsetzung des Fondes übrig; und in der That leistet diese aller Bildung feindliche Schaar überall, wo nur ein Anlauf zur Gründung von Schulen genommen wird, den hartnäckigsten Widerstand, so daß an ihrem Veto alle Bemühungen der h. Regierung und der Beffergesiunten scheitern. Ich glaube daher der guten Sache keinen unwesentlichen Dienst zu leisten, wenn ich darauf aufmerksam mache, daß fast in jeder galizischen Gemeinde ein eigenmächtiger, gesetzlich