Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 9 (1.9.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-09-01
- Page
- Seite 447 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 447 — der Fall, wo Diejenigen, welche schweigen, zeitlich so sehr von den Begebenheiten entfernt sind. Bon diesen hat Jeder aus che» ver-° schiedenen älteren Verfassern, die er benutzte, nur das ausgezogen, was ihm am interessantesten geschienen, und besonders die glänzenden Punkte in -der Geschichte ihres Helden hervorgehoben, zu welcher aber diese Begebenheit nicht gerechnet werden kann. Wer die Beschaffenheit der uns übrig gebliebenen bekannten Quellen für Alexanders' Geschichte kennt, wird überhaupt etwas vorsichtig sein, dieselben als Richtschnur zu gebrauchen, um darnach die Zuverlässigkeit Anderer zu bemessen. Was das Gepräge der Fabelhastigkeit und Unwahrscheinlichfeit betrifft, welches der Bericht des Josephus im Ganzen an sich tragen soll, so sucht Hr. Prof. Henrichsen nachzuweisen, daß dieser Bericht durchaus nicht unwahrscheinlicher und märchenhafter sei, als so vieles Andere, das über Alexander v. Arrian und den übrigen Skribenten, dse sein Leben, seinen Charakter und seine Thaten geschildert haben, erzählt wird, und das als gute Waare hingenommen und als Thatsache in der Geschichte figurirt. Es lag in Alerander's, von seinem romantischen Charakter unterstützten Politik, seinen Sieg und sein Vorhaben als von den höheren Mächten befohlen oder begünstigt auszugeben, und diesem Glauben suchte er durch alle möglichen Mittel bei den Völkern Eingang und Festigkeit zu verschaffen. Damit steht die Eigenthümlichkeit Aler.'s in Verbindung , daß er in seiner Ehrfurcht vor den Göttern keinen Unterschied zwischen hellenischen nnd fremden Gottheiten machte, sondern die verschiedenen Völker dadurch zu gewinnen suchte, daß er die Götter jedes Volkes und deren Diener ehrte. Der Bericht von den Träumen und von der Opferung im Tempel, und was damit in Verbindung steht, sind wol die zwei Punkte, die man zunächst als unwahrscheinlich bezeichnen kann. Allein, daß der Hohepriester in der Verlegenheit nnd ängstlichen Spannung, in der er sich befand, wirklich einen beruhigenden Traum gehabt, oder, um das Volk zu beruhigen, einen solchen gehabt zu haben vorgab, ist ja an sich nichts Sonderbares. Der Umstand, daß Alex, sich auf einen Traum beruft, den er selbst in Dion gehabt, und deffen Auflösung er hier gefunden, stimmt ganz mit Aleraudes' Charakter und sonstigem Verfahren überein, zumal', da die ehrwürdige Gestalt des Hohenpriesters und des ganzen feierlichen Auszuges aus ihn Eindruck machte, und seinem Borgeben ein paffende Veranlassung gab. Wie sehr Alerander, namentlich zu Anfang seines Zuges, wo er aller Mitrel bedurfte, um Vertrauen zu gewinnen, Offenbarungen und Erscheinungen in Träumen zu seinem Vortheil benützt, ist hinlänglich bekannt. So werden