Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 8 (15.8.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-08-15
- Page
- Seite 427 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 427 — spizien das wirkliche Zustandekommen der Schnle wol fürchtend, trachtete er mit seinen Helfershelfern die Fanatiker zu einer starken Opposition aufznstächeln, die ebenfalls fünf berüchtigte Fanatiker*) ans ihrer Mitte zu Vertretern erwählten, welche nun bei der hierauf erfolgten Berathung unter Vorsitz des hiesigen k. k. Statthalterei-Sekretärs, Herrn Dörfler, sich einstimmig gegen die Errichtung einer jüdischen Schule erklärten. Der sehr humane Hr. Dörfler aber schaute ihre Pläne durch, und nahm von der Erklärung der Fanatiker blos Akt, obne sich weiter um die verkehrten Ansichten derselben zu kümmern. Hierauf wurde die Berathung mit den schnlfrenndlichen Vertretern fortgesetzt, und die Konferenz schloß mit der Zeichnung des Berathungs-Protokotts, nachdem der Fond und alles Uebrige nach den Statuten der Lemberger Hauptschule, deren wackerer Direktor, Vr. B. Sternberg, solche einznsenden die Güte hatte, festgesetzt. Die Kosten der Schule find also durch einen Aufschlag auf koscher zu schlachtendes Vieh und Geflügel gedeckt, und zwar soll an Schulbeitrag von einem Ochsen oder einer Kuh 2 fl. österr. W., von einem Kalbe oder Schafe 40 kr. österr. W., von einem Truthahn 15 kr. ö. W., von einer Gans 10 kr. o. W. und von einer Henne 6 kr. ö. W. entrichtet werden. Vier Neuntel der jährlichen Einnahme, die, laut beiläufiger Berechnung eine Höhe von 8 bis 9000 fl. österr. W. erreichen wird, sollen zur Erhaltung des Rabbiners, der Assessoren und Schächter dienen, und der Rest auf die zu kreirende vierklasstge Knaben- und Mädchen-Hauptschule mit einem Personale von 6 Lehrern, 2 Lehrerinnen und 2 Gehilfen verwendet werden. Die ganze Angelegenheit liegt der h. Statthaltern zur weitern Beförderung vor. Die Vertreter hatten bei **) Folgende Züge znr Charakteristik des Kulturzustandes mögen der Zukunft äufbewahrt werden: Maier Kristianpoler, der eine traurige Berühmtheit in dieser Angelegenheit erlangen wollte, griff zu einer Finte seine Zuflucht und sagte: ״Es blute ihm das Herz, wenn er sehe, daß dieser einzige Kitt — nämlich die katholische Schule — welcher Christen und Juden züsammenkittet, vernichtet wird." — Derselbe sandle eine Deputation, bestehend aus 6 armen Melamdim, auf ihre eigenen Kosten, da, wie er sich ausdrückte, die Gaben der Armen Gott lieber find, an alle Wurrder-Rabbi's, damit diese ihr ganzes Ansehen beim himmlischen Könige geltend machen, daß er seine wohlthätige Sonne nicht über Stanislau leuchten lasse. — Der hiesige Rabbiner ferner, von dem ich bereits in diesen Blättern gesprochen hatte, drohete im Falle des Zustandekommens der Schule mit seiner Abreise; ein requiescat in pace! wird ihm höchstens nachtönen. — Auch die hiesigen Frauen dieser Sorte glaubten den Männern in ihrem . Eifer für den Herrn Zebaoth nicht nachstehen zu dürfen, und rühmten sich, daß die Errichtung der Schule vereitelt werden muß, da, wenn auch die Nebbes Nichts gegen die Schule ausrichten sollten, sie eines andern Mittels sich bedienen werden, nämlich sie werden Heren und Todtenbeschwörer gebrauchen, deren schwarze Kunst gewiß nicht ohne Wirkung sein wird.