Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 8 (15.8.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-08-15
- Page
- Seite 426 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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—־ 426 — heute die Feder, sondern um eine Stelle aus dieser Predigt, ihrer kulturhistorischeu Bedeutung wegettH zu registriren. Dieselbe lautet S. 19: ״So mag denn dort zur Rechten ragen auf ihrem gefestigten Grunde die herrschende Kirche des Landes, möge sie stets anstreben und erreichen die hohen Zwecke der Liebe, zu denen Gott den beseligenden Glauben berufen! Möge da zur Linken gedeihen und sich erkräftigen die jüngere Schwester in ihrer bescheidenen Stellung — und gönnt in Mitten zwischen den beiden blühenden Töchtern der alten Mutter auch ein demüthiges Plätzchen, da sie doch nun einmal die Mutter ist, und annoch stark und lebensfähig fortdautzrt". Insofern Hr. vr. Meisel dieses Gebet sprach, gewahren.wir darin, dessen religiöse Anschauungsweise dentlich und klar; insoserne aber der Oberrabbiner von Pesth es gesprochen als erblicken wir darin ein Zeichen der Zeit*). M. Fein. Aus Gälizien, im Juli. I. Die h. Regierung hat in jüngster Zeit einen Erlaß an alle k. k. Kreisbehörden in Galizien ergehen lassen, in Folge dessen in den bedeutenderen Städten jüdische Hauptschulen und in den kleineren Trivialschulen, wenn auch Wider Willen der Gemeinden errichtet werden müssen. Wird aber im Sinne dieses Erlasses gehandelt? Unseres Wissens hat keine Behörde in Galizien bis nun den Witten kundgegeben, den Wunsch der hohen Regierung zu erfüllen. Nur die einzige k. k. Kreisbehörde in Stanislau, und zwar sei es zum Lobe des dortigen k. k. Kreisvorstehers, Hrn. Austermann und des k. k. Statthalterei-Sekretärs, Hrn. Dörfler gesagt, Männer, welche für. den Fortschritt beseelt sind, und wahre Muster von Beamten abgeben, hat die Sache gehörig zu würdigM gewußt, und gleich noch Empfang des Erlasses eine Wahl von 5 Vertretern, mit denen sie über die Modalitäten der Schule berathen könnte , angeordnet. Es ergab sich nun bei dieser Wahl für die von den Beffergesinnten aufgestellten Kandidaten, vorzüglich für den Hrn. Landesadvokaten vr. Bardäsch und den gelehrten Hrn. Salomon Fränkl daselbst und einige einflußreiche Männer eine große Stimmenmehrheit, Beweis genug, wie sehr das Volk einen geregelten Unterricht wünscht, und gerne einen Aufschwung nehmen möchte; wenn nur nicht diese Dunkelmänner, nämlich unsere Rabbiner und Leiter, auf die sich wol des Proseten Ermahnung: ״Wohin sie kamen, da entweiheten sie meinen heiligen Namen (Jeches. 36.20.)," anwenden läßt, in seinen Witten gewaltsam eingreifen würden. Der Gemeinde- Vorstand indes mit Hrn. Abraham Halpern an seiner Spitze, geriete sich der Behörde gegenüber als »schulfreundlich, im Dunkeln aber, unter so günstigen Au- *) Mir kommen die angeführten Worte höchst seltsam vor. Die ״Herrschende Kirche des Landes", ist weder in Marienbad, noch überhaupt an irgend einem Orte zu sehen. Der Redner hat offenbar die beiden Begriffe, welche das Wort ״Kirche" bezeichnet, (Gemeinschaft der Gläubigen und gottesdienstliches Gebäude), konfundirt! Noch seltsamer jst die Ausschließlichkeit, mit welcher die Zwecke der Liebe, zu denen Gott den beseligenden GlanKn berufen, für die ״herrschende Kirche des Landes" in Anspruch genommen werden!! < L.