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Ben Chananja · 1860-08-15 · 8 (15.8.1860) 2. Hälfte · p. Seite 423

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
8 (15.8.1860) 2. Hälfte
Date
1860-08-15
Page
Seite 423 (sequence 23)
Language
German
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423 — 1) ob die bestehenden Statuten die Zulassung der Juden zu den akademischen Lehrfächern der Medizin, Mathematik, Naturwissenschaften, Geografie und Sprachwissenschaft gestatten oder nicht und 2) ob, wenn die Statuten diese Zulassung nicht gestatten, eine Modifikation derselben für zulässig und angemessen zu erachten sei. Hierauf erfolgten die hier in Vollständigkeit vereinigten Vota, die eine wahre Musterkarte, einerseits von Pedanterie, Engherzigkeit und kleinlicher Auffassung, anderseits von echter Humanität und der von Trägern der LVissenschaft mit Recht zu erwartenden Vorurtheilslosigkeit abgeben. Manche der gelehrten Herren geberden sich ganz komisch bei der Körteruug der erwähnten Fragen und verschanzen sich hinter alten und neuen Vorurtheilen, um sich vor einer Konkurrenz und Ueberfluthung von Setten gelehrter Juden zu schützen. Da wird viel von christlichem Staate und christlicher Wissenschaft gefaselt. Ein Professor spricht von dummdreister Impertinenz und Eitelkeit der jüdischen Studirenden, die Akademie zu Münster kann sich nicht dabei beruhigen, daß ein jüdischer Dozent das Wort j־l/2(Jes. 7, 14) nicht durch virgo immaculata übersetzen werde und der Konvertit Neander gibt zu bedenten. daß׳ an der Spitze der negativen, frivolen, atheistischen Richtungen jetzt größtentheils Juden stehen. Doch, wozu alle diese den Leichengeruch einer abgethauen Zeit athmenden Nrtheile und ihre Vertheidiger anführen?!שמם בחשך יכסה Um so mehr Genttgthuung verschaffen uns die fast überwiegenden, zu Gunsten der Juden sprechenden, und von den gediegensten Männern ausgehenden Gutachten. Der jüngst verstorbene Lehrer des Unterzeichneten, der große Orientalist Bernstein äußert sich: ״Meine eifrigsten und tüchtigsten Zuhörer sind hier sehr häufig jüdische Studirende, deren, vorzugsweise Beschäftigung mit den alttestamentarischen Schriften sie zunächst zum Studium der mit den Hebräischen verwandten Sprachen, der semitischen Dialekte, führt." Die Breslauer.filosofische Fakultät bemerkt, daß ״wenn einem tüchtig gebildeten jüdischen-Uherlogen in der filosofischeu Fakultät Vorlesungen über die sprachlichen Fächer der jüdischen Theologie, den Thalmud und die spätere jüdische Literatur zu halten verstattet würde, auch den christlichen Theologen und Orientalisten die Erwerbung von Kenntnissen erleichtert werden würde, welche sie jetzt meistens nicht ohne Nachtheil für das gründlichere Verständniß des alten Testamentes sowie der Literatur und Geschichte des Orients überhaupt vernachlässigen". — Die Juristen Heffter in Berlin und Planck in Greifswalde bevorworten sogar die Zulassung der Juden zu juristischen Professuren, da wie der Letztere bemerkt, es dazu nicht eines Mitbringens einer bestimmten religiösen Anschauung , sondern nur eines vorurtheilsfreien Hingebens an den zu untersuchenden Stoff bedarf. Die Bonner filosofische Fakultät hat sich einstimmig für die Zulassung der Juden ansgesprochen, und Dahlmann's Separatvotum> dem sich auch der greise Fr. Theodor Welcker anschließt, zeigt, wie ein echter Gelehrter denken muß. Dahlmann wünscht die Zulassung der Juden im Interesse der freien Bewegung der Wisseuschaft. Sollten befähigte Juden unabweisbare Wahrheiten entdecken und lehren, die gegen das christlich-kirchliche System anftoßen , so wird das in der

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