Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 8 (15.8.1860) 2. Hälfte
- Date
- 1860-08-15
- Page
- Seite 419 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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419 — Ueberbringer des Briefes erzählte, daß der Herr, den wir in P. gesprochen, gestern Abend kaum nach Hanse gekommen, den Vor-- stand aufgefordert, sogleich eine Gemeindesitznng abznhalten. Deren Resultat war mir entgegen zu schicken und mich einzuladen über Sabbath hinzukommen, welche Einladung ich nach ihrer Meinung annehmcn werde, um mich erst über die Verhältnisse zu N. recht zu orientiren, als N. ohne Weiters sogleich aufgeben. Du wirst Dir meine Unschlüssigkeit vorstellen können, wenn Du bedenkest: wir waren kaum zwei Stunden Weges von N. und noch immer kein Lebenszeichen von dort, es mußte also wahr sein, daß dort große Zerwürfnisse seien, und wir keinen freundlichen Empfang zu erwarten haben, während T. so zuvorkommend sich zeigt, und aus der andern Seite wieder, schien es mir verwerflich, so nahe von N. plötzlich wie der Wind umzuspringen. Da machte der Onkel den Vorschlag, ich möchte mittelst Boten einen Brief nach N. schicken des Inhalts: ״Indem ich allenthalben vernommen, was sich auch zu bestätigen scheint, daß dort Unfriede herrsche, so gehe ich einstweilen über Samstag nach T., und erwarte dort mit demselben Boten die Antwort des Vorstandes. Dieser Brief wurde abgeschickt, und wir fuhren heiterer gestimmt nach T. Wir wurden über alle Erwartung freundlich empfangen, ich zweifle zwar nicht, daß ich eine befriedigende Antwort von N. erhalten werde, so daß mich dieser Empfang ordentlich verlegen machte. Aber ich hakrte umsonst, ich erhielt — gar keine Antwort, daher fand Sonntag darauf meine Aufnahme in forma probante statt, und so kam es, daß ich nun hier statt in N. bin. Eine Charakteristik der hiesigen Gemeinde bleibe ich Dir heute noch schuldig, weil ich noch von N. zu berichten habe, waS sich dort zugetragen, und ich muß gestehen, wiewol ich alle Ursache habe mit dem Tausche zufrieden zu sein, wiewol ich mit Recht hoffen darf, daß man mir Wortbrüchigkeit nicht zum Vorwürfe machen werde, und jeder Andere an meiner Stelle ebenso gehandelt hätte, so drückt's mich doch wie ein Alp, daß die Gemeinde in N., wenn auch ohne mein Verschulden, dadurch blamirt wurde. Der Hergang war folgender: Als der Vorstand meinen Brief vom Hause aus, in welchem ich mittheilte, daß ich auf einen Aufschub nicht eingchen kann, und zu verabredeter Zeit eintreffen werde, der Gemeinde bekannt gegeben, da haben die Parteien sich geeinigt und Alle sich wieder zufrieden gestellt. Eine Mittheilung von dem Umschwünge der Gesinnung mußte der Vorstand unterlassen, weil der Brief mich nicht mehr getroffen hätte; auch ein Entgegenfahren mußte unterbleiben, weil man nicht wußte, welchen Tag und welchen Weg ich kommen werde. Doch Freitag als den 25*