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Ben Chananja · 1860-08-15 · 8 (15.8.1860) 2. Hälfte · p. Seite 418

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
8 (15.8.1860) 2. Hälfte
Date
1860-08-15
Page
Seite 418 (sequence 18)
Language
German
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— 418 — aufs Feld führen sollte; in der letzten Gasse, wo man mit dem Grün des Feldes schon liebäugeln konnte, angelangt, blieb ich ganz verwundert stehen, von einer bekanten Stimme einen freundlichen Gruß zu vernehmen. Es war der Herr aus T., der ebenfalls in N. übernachtete und nun im Begriffe war abzureisen. Wieder bedauerte er, daß er mich von meinem Entschlüße nicht abbringen konnte, und fragte, wann ich abreisen werde? Auf meine Antwort: erst gegen Mittag, äußerte er: das höre ich gerne, denn dann kommen Sie heute nicht mehr nach N., morgen aber, nun wer weiß, was bis morgen geschieht", scherzend fügte er hinzu: ״Nach Gottes Willen geht es ja immer, einmal soll es auch nach meinen Willen gehen". Wir konnten in der That erst um ein Uhr von —s— abreisen; mir fing an das Herz ängstlich zu pochen; denn, eigentlich lebte ich der Hoffnung, daß der Vorstand von N., mich nach herkömmlicher Weise in —f— erwarten werde, ich sah mich getäuscht; wir kamen immer näher, aber N. gab kein Lebenszeichen von sich; es wurde schon Abend, doch Niemand ließ sich sehen. Wir hatten nach zwei Meilen und so unschicksam es auch war, Freitag erst anzykommen, so mußten wir doch nochmals Nachtlager machen, denn so spät in der Nacht konnten wir ja nicht eintreffen. Ich kann Dir nicht schildern, wie mir zu Muthe war, ich stand auch des Morgens nicht heiterer auf, da mich der Unninth und die Bangigkeit ob des Kommenden gar nicht die Augen schließen ließ. Der Gedanke, baß die Mutter, die so freudig diese Reise angetreten hat, nm Augenzeuge der feierlichen Einholung ihres Sohnes als Rabbiner zu sein, sich so getäuscht sehen soll, war mir unerträglich, und ging mir nicht aus dem Sinn. Der Onkel mit seinem Flegma nahm N. sehr in Schutz, wahrscheinlich mehr, um der Mutter's verletzte Eitelkeit und Besvrgniß zu beschwichtigen, als zu meiner Beruhigung; ich sah es ihm an, daß seine Vertheidigung, seine ausgestellten ״Vielleicht" und ״Wahrscheinlich" ihm selbst nicht vom Herzen gingen. Wir mochten so ungefähr eine Stunde zurückgelegt haben, saßen Jeder feinen eigenen Gedanken nachhängend, in sich gekehrt, ■ daß wir, die wir doch den Tag vorher bei dem kleinsten Geräusche mit gespannter Aufmerksamkeit in die Ferne Hinausschau- , ten, jetzt einen daher rollenden Wagen nicht eher bemerkten, als bis er an uns vorüber kam, stehen blieb, ein Herr aus demselben ausstieg und auch uns zu halten ersuchte. Er war aus T., übergab mir ein Schreiben von dem dortigen Vorstande, in welchem Wir mit besonderer Höflichkeit eingeladen wurden, über Samstag nach T. zu kommen. Da wir in der Nähe eines Gasthauses waren, kehrten wir dort ein, um die Sache zu besprechen. Der

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