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Ben Chananja · 1860-08-01 · 8 (1.8.1860) 1. Hälfte · p. Seite 397

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Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
8 (1.8.1860) 1. Hälfte
Date
1860-08-01
Page
Seite 397 (sequence 29)
Language
German
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— 397 Ministeriums zu einer geschloffenen Phalänr zusammen. Die bedeutendsten preußischen Blätter gehören dieser Richtung an und verfechten selbstverständlich die Interessen* der Juden, die überall mit denen der ganzen Bevölkerung zusammenfatlen, mit Wärme und Lebendigkeit. Die seit Kurzem erscheinende ״deutsche Zeitung" hat die Wahrung jüdischer Interessen von Vornherein auf ihr Programm geschrieben. So zeigt sich fast überall in der Presse ein judenfreundlicher Sinn und die Vorkämpfer für die Sache der Juden find nicht bloß 'auf jüdischer Seite zu suchen. Was aber bei weitem erfreulicher ist: der von gewisser Seite her ausgesprengte Zwiespalt zwischen dem Prinzregenten und dem Ministerium erweist sich als tendentiöse Erfindung. Die Ritter von der traurigen Ge- " statt versuchten es, sich und Andere in den Glauben einzuwiegen, daß der Prinzregent Einer der Ihrigen sei und daß der jetzt in Preußen herrschende Geist liberaler Verwaltung bloß von den Ministern ausgehe. Der letzte Erlaß des Prinzregenten in Betreff der Juden, hat von dem Gegentheil Zeugniß abgelegt. Auf das Immediatgesuch mehrerer Herrenhänsler, an deren Spitze der Graf zu Stolberg-Wernigerode stand, und die um Entziehung der den Juden von der Verfassung garantirten Rechte petitionirten, antwortete der Prinzregent mit echt deutschem Biedersinn so offen und klar, daß auch nicht die kleinste Verdrehung mehr möglich ist. ״M eine Regier u n g h a t d u r ch die a n g eordnete Zulassung der jüdischen Staatsangehörigen zur Wahrnehmung ständischer Rechte und zur Verwaltung der ihnen verfassungsmäßig nicht verschlossenen Ämter nur die Bestimmungen d er Verfassüng sürkund e Und d er ili G em a ßh eil derselh׳en ergMgenen Gesetze in Vollzug gesetzt." Wie Sie hieraus entnehmen können, sind die Angelegenheiten der preußischen Juden in ein günstiges Stadium angelangt. Es ist zwar noch Vieles zu erringen, besonders da sich auch einige der Herren Minister von der Idee des christlichen Staates noch immer nicht lossagen können, hoffentlich aber wird auch diese Klippe bald umschifft werden. Zum Schluffe einige Lokalnachrichten. Der * Privatdocent der Medizin an hiesiger Universität, Dr. Bernhard Cohn (nicht zu verwechseln mit dem Professor der Botanik an der berliner Hochschule, Dr. Ferdinand Cohn) ein ausgezeichneter praktischer Arzt und medizinischer Schriftsteller, der erst neulich ein nach dem Urtheile der Fachmänner klassisches Werk, ״über die Klinik der embolischen Gefäßkrankheiten" veröffentlichte, ist zum Primärarzt am hiesigen Allerheiligen-Hospital ernannt worden. Ein talentvoller und edler junger Mann, Dr. H. Seligsohn, Zögling des Fränckel'schen Rabbinersemminares, starb neulich allgemein betrallert in der Blüthe seiner Jahre. Die jüdische wissenschaftliche Theologie verliert in ihm einen hoffnungsvollen, strebsamen Jünger, seine Freunde beklagen den Verlust eines liebevollen, charakterfesten, gottergebenen Mitstreiters. P—s. Inland. Pest, im Juli. Ich hatte vor Kurzem Gelege »heit, die Gemeinde zu Nyök (Stuhlweißeuburger Kom.) zu besucheu. Wiewohl nur 43 Mitglieder.

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