Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1860-08-01 · 8 (1.8.1860) 1. Hälfte · p. Seite 381

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
8 (1.8.1860) 1. Hälfte
Date
1860-08-01
Page
Seite 381 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543076-2543084--1607-2545321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 381 — scheiden nnd schichten» nähert. Sein schleppender Gang sagt Dir es bald, daß Du es mit einem Hinkenden zu thun hast, und bist Du nicht an Einfachheit nnd schlichtes Landleben geivöhnt, so »virst Dn zuversichtlich Dich nrehr in der Wohnung eines armen Mannes als in den» Hause eines reichen Gntspächters glauben. Einfachheit herrschte auch in der Wirthschast. Nur ein Verwalter stand dem Gutsherrn z»»r Seite und alle Befehle gingen von diesem aus. Dabei ruhete am Sabbath die Arbeit, da ja sonst der Segen des Herrn gefehlt haben »vürde; denn wenn auch Kästenbäum dem Chassidismus nicht zugethan war, so ivar und blieb er doch ein frommer Israelit. Wer das heutige Leben eines jüdischen Gutspächters in» Hegyaljagebirge kennt, wird sich auch das Kästenbaum'ö im Geiste leicht vergegenwärtigen können nnd mit uns den Israeliten einer Gegend Hochachtung zollen, die schon fast seit einem Jahrhundert der Landwirthschast ihre besten Kräfte widmeten und deneu ihre Frauen als Gehilfinnen im edelsten Sinne des Wortes zur Seite standen; daß auch ein Kästenbaum ähnliche Ansprüche an sein Weib stellte nnd das vornehme Hinbrüten und Kokettiren mit andern Männern verachtete, brauche ich kann» zu erwähnen nnd diese Umstände dürsten die Ursache gewesen sein, daß auch bald die Tochter des Homonaer Rabbiner» aus dem Hanfe verbannt wurde, und einer Wirthschasterin Platz »nachte. Kenntnisse, selbst iin Hebräischen, rnangelteu unserem Kästenbäum gänzlich, ja Personen, die ihm nahe gestanden, versichern uns, daß er kaum des Schreibens kundig gewesen sei und sein hebräisches Wissen nur im Hersagen der täglichen Gebete bestanden habe. Wie den» aber a»»ch iinmerhin gewesen sein »nag, so viel steht fest, daß die Magnaten und sonstigen Grnndherren dieser Gegend Kästenbanm eben wegen seiner Einfachheit liebten, und ihn recht oft um das Nothwendigste angingen. Daß der reiche Jude dieserhalb bei der Komitats-Kongregation nie fehlen durfte, ist um so natürlicher, da in Ujhely, als dem Sitze der Komitatsversammlungen, die Wahlen der Komitatsbeamten vorgenommen wurden nnd manche große Herren, um gewählt zu werden, ihren Wählern enorme Summen zum Besten zu geben hatten. Jedesmal »vurde dann beim vielbewährten, alten Freund Wolf Wind das Absteigequartier genornmen, der ein einfaches, schlichtes Mittagsmahl zu bereiten wußte und auch in jeder Hinsicht »nit Rath »»nd That z»»r Seite stand. Die Volkssage, die so gern alles ausmahlt, läßt a»n Kougregationstage unfern Biedermann in zerrissenen Kleidern vor dem Komitatshause sitzen »»nd in der Mittagsstunde daselbst ans einem Steine sitzend, ein Stückchen Brod kauen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.