Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 8 (1.8.1860) 1. Hälfte
- Date
- 1860-08-01
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 373 — ist dies klar und deutlich zu entnehmen. Aus der eben angeführten Stelle sowohl, als auch aus Chagig. 2. Abtheilung, wo es heißt: מכאן שאין מעמידים מתורגמן על הצבור פחות מחמשים שנה ist auch ersichtlich, daß Prediger im schon reifem Alter den jüngern vorgezogen wurden. Daß die öffentlichen Redner nicht allzu harte das Ehrgeflihl ihrer Hörer verletzende Ausdrücke gebrauchen sollen, wird als wohlmeinender Rath aufgestellt. Jalk. zu Jes. 0. 6: ״Wie der Nußbaum wegen der besondern Glätte seiner Rinde schwer zu erklimmen ist, und es der Vorsicht und Geschicklichkeit bedarf, dessen Gipfel zu ersteigen; so ist der Boden glatt und schlüpfrig auf dem der jüdische Redner stehet, und es gehört viel Geschick und Umsicht dazu, auf demselben sich zu behaupten. Moses, der das Volk mit den Worten ansprach: ״Höret ihr Widerspenstigen!" ward dafür bestraft, daß er nicht in das gelobte Land kommen durste. Elias, der zum Volke sprach: ״Ihr habet den Bund Gottes gebrochen!" wurde sofort seines Profetenamtes entsetzt, und Jesaiah, der da sprach: ״In der Mitte eines.Volkes.von .unreinen Lippen befinde ich mich," wurden brennende und glühende Kohlen aus die Zunge gelegt. Es trägt übrigens diese ganze Ausführung das Gepräge drangvoller Zeiten an sich; Zeiten, in welchen es nach innen und außen gefährlich war, freimüthig und offen die Wahrheit zu sprechen; denn die Profetett ließen sich von den Zeitverhältnissen keines- Wegs beirren und sprachen kühn und unerschrocken die Worte aus, die Gott ihnen eingab. Ueber die Art und Weise, nach welcher im thalmudischen Zeitalter gepredigt wurde, lassen sich die Quellen nicht vernehmen. Würden einige vollständige Reden aus dieser Zeit auf die Nach- Welt gekommen sein, wir würden uns gerne bemühen, denselben die Regeln und Gesetze abzulauschen, die sie zu beobachten für gut fanden, und bestrebt sein, ihren Mustern möglichst nachzuahmen und nachzueifern; allein wahrscheinlich geleitet von der Ueberzeugung, daß der todte Buchstabe das lebendige Wort nimmermehr ersetzt, fühlten sich die alten Lehrer bewogen, die Verzeichnung ihrer Reden zu unterlassen. Wohl aber sind uns in den Thalmnden und Midraschim viele Predigt-Skizzen aufbewahrt worden und ist aus dem