Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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w — 362 — vor zehn Jahren sehr günstige Beurtheilungen erfahren, und sein längerer Bestand hat es.nur gewandter und leistungstüchtiger gemacht. — Dem in vielsacher Rücksicht hochverdienten Josef Wertheimer ist der Franz-Josefs-Orden verliehen worden. — In Knöpfelmacher's Verlag ist der 3. Band des Ozar Nechmad (Pr. 1 fl. 20 kr.), und bei De la Torre Pinsker's Likute Kadmonioth erschienen. Preis 4 fl. 70 kr. Letzteres ist von Knöpfelmacher und vom Verfasser (große Schiffgaffe 722) zu beziehen. Non der böhmischen Grenze. Das Erste wovon ich Ihnen zu berichten habe, ist die siebzigjährige Geburtsseier des um die Wissenschaft sehr verdienten Oberrabbiners S. L. Rappoport in Prag, welche am 9. d. M. stattfand. Die warme Theilnahme, welche diese Feier gefunden, ist ein sehr erfreuliches Ereigniß. Der Prager Gemeindevorstand überraschte den Jubilar mit dem, für denselben von der k. k. Statthalterei erwirkten Titel eines Oberrabbiners. Der rühmlichst bekannte Dichter Dr. L. A. Frankel brachte ihm den Glückwunsch der Wiener Gemeinde. Auch von der Gemeinde seines Geburtsortes Lemberg liegen uns zwei gedruckte Festgedichte vor, das eine in hebräischer Sprache von David Rappoport, das andere in deutscher Sprache von Dr. Moritz Rappoport. Ferner wurde ihm gewidmet ein hebräisches Gedicht von I. Spitz, ein deutsches von Arnold Botek. Außer dem flößen dem Jubilar auch werthvolle Geschenke und Glückwünsche aus allen Gegenden zu. — Ein Mann wie Rappo- Port verdient diese kleinen Aufmerksamkeiten in hohem Grade. Ein Gelehrter seines Faches, der seinen siebzigsten Geburtstag, d. h. so zu sagen, mit der Wissenschaft des Zudenthumes seine goldene Hochzeit feiert, der hat wahrlich einen dornenvollen Weg hinter sich. Nicht ohne Wehmuth lesen wir Ln einem Gedichte, welches im Namen der Lemberger Gemeinde spricht, und diese muß doch wohl die Verhältnisse Rappoport's am besten kennen, die Zeilen: ״Nicht Menschengunst hat freundlich Dich geleitet, Als im Gedankenschiff Du vorwärts rangst, Als kühn dein Geist die Segel hat geweitet, Umbraust daheim Dich Noth, Bedarf und Angst." Was hätte ein Rappoport leisten können, wenn einer der Reichen, die ihm jetzt ihre Glückwünsche und ihre Festgeschenke so bereitwillig bringen, sich damals dazu Herbeigelaffen hätten ihn von seinen drückenden Nahrungssorgen zu befreien? — Aber unsere Reichen, so wenig ihnen auch der Sinn sür's ^Schöne und Gute abgeht, haben für die Wissenschaft, wenn sie nicht im Bettlergewande, oder mit der schon fertigen Strahlenkrone des Ruhmes, sondern im schlichten und ehrbaren Rocke des redlichen und unverdrossenen Arbeiterö erscheint, wenig Verständniß. — Während die jüdische Bevölkerung Prag's sich den Festesfreuden hingab, herrschte Ln der nicht fernen Gemeinde zu Kollin tieft Trauer, denn ihr wackerer Seelsorger, Hr. Kreisrabbiner Daniel Frank, hatte an demselben Tage Nach einer langwierigen Krankheit das Zeitliche gesegnet. *) Der Verewigte *) Ein ausführlicher Nekrolog wäre mir sehr willkommen. Red.