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Ben Chananja · 1860-01-01 · 7 (1860) · p. Seite 356

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
7 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 356 (sequence 40)
Language
German
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das unschuldige ״Boi chalo?" Ist es doch bloß ein poetischst Rus an die liebe Sabbatbraut! ״In die Mitte der treuen Gläubigen komme o Braut! komm o Braut!" Welchen Unterschied kann es machen ob der Ruf 2* oder 4- oder auch zehnmal ertönt? Wahrlich dem allergrößten Hyperorthodoren der alten Schule wäre es nie und nimmer eingefallen gegen ein mehrmaliges Wiederholen von ״Boi chalo" im Gesänge Einsprache zu erheben; eine solche Lächerlichkeit kann sich nur ein s.׳ g. Neuorthodore zu Schulden kommen lassen. 4) ״Zwang er uns auf das unserem Gefühle so sehr wiedersprechende und von den meisten selbst orthodoren Gemeinden, bereits beseitigte Nekom Leenenu wieder einzuführen." Das ist wahrlich empörend! Der Jude soll sich nicht niederlegen, ohne von Gott Vergebung für seine Feinde und Beleidiger zu erstehen. Er muß Böses mit Gutem Vergelten; und ist es noch eine hö- Here Pflicht dem Feinde Gutes zu erzeigen, als dem Freunde. Es ist daher schier unbegreiflich, wie solche Gebetstücke, die die Himmelsrache Herabrusen, gar versaßt, und je in einem jüdischen Gotteshause gesprochen werden konnten. Aber wenn auch die armen, gedrückten, geplagten, gepeinigten, gehetzten und verfolgten Israeliten der frühern Zeit, die den niederschmetternden Anblick, wie Tausende und Tausende ihrer Brüder und Schwestern gefoltert und niedergemetzelt wurden, vor Augen hatten, zu entschuldigen sind, daß sie ihrem gepreßten Herzen Lust machten und zu Gott um Rache schrieen; so ist doch das Nachsprechen derartiger Gebete in der Jeztzeit, die Gott Lob, eine freundlichereist, sündhaft, dem Geiste, der unsere geheiligte Religion durchweht, widerstreitend, und dem judenthümlichen Gefühle der Milde und Barm- Herzigkeit widerstehend. Aber es ist zugleich thöricht und lächerlich. ״Räche.vor unfern Augen das unschuldig vergossene Blut deiner Diener." Aber an wen? An denen , die es vergossen haben? Die stehen ja schon längst vor dem Richterstuhle Gottes! Wenn es also vor unfern Augen geschehen sollte, so könnte es nur au ihren Nachkommen geschehen; aber das wäre eben so recht und billig, als wenn andere Konfessionen uns eine That wollen entgelten lassen, die unsere Vorfahren vor vielen, vielen Jahrhunderten sotten begangen haben. — In meinem Werke , welches im Jahre 1848 zu Wien erschien, (״Tugend und Rechtslehre, bearbeitet nach den Prinzipien des Thalmud," §, 34. der T. L.) sage ich: ״Es ist mir unbegreiflich worauf der Stifter des christlichen Glaubens hingedeutet hat, als er sprach: ״Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Freund lieben und deinen Feind hassen;" denn weder in der heiligen Schrift noch im Thalmnd ist so etwas ausgesprochen. In der h. Schrift wird geboten: ״Wenn deinen Feind hungert, reiche ihm Brod, wenn ihm durstet, reiche ihm Wasser." ״Findest du sein Verlorenes, gib es ihm wieder zurück; ist er in Verlegenheit, stehe ihm bei." Der Thalmud sagt: ״Ein Mensch, der die Gottesgebote beobachtet, kann unmöglich eines Menschen Feind sein." (S. Peffachim 32, b). ״Benöthigt der Freund und der Feind zugleich deiner Hilfe, so mußt du früher dem Feinde beistehen." (B. Mezia 38, b.) u. s. m.

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