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Ben Chananja · 1860-01-01 · 7 (1860) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
7 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 355 (sequence 39)
Language
German
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— 355 — 1) ״Witt er die hier eingeführte Ordnung der Chorbegleitung bei einem Leichenbegängniß nicht gestatten." Der Thalmud überläßt es dem Ortsgebrauch, ob die weibliche Leichenbegleitung vor und die männliche nach der Bahre gehen sott, öder umgekehrt (S. Sanhedrin 2V, a); woraus hervorgeht, daß eine Ordnung in der Leichenbegleitung war. Auch Sänger und Sängerinnen haben in Zeiten des Thalmuds bei Leichenbegängnissen fnngirt (S. Moed Katan 28, b); ja sogar Leichenmufik ans Blasinstrumenten war gebräuchlich (S. Schabat 151, a). Ihr Hr. Rabb. ist daher in einem groben Jrrthume befangen, wenn er glaubt Choralbegleitung und Choralgesänge bei Leichenbegängnissen wäre unzulässig. Aber die Herkömmlichkeit? Eben hieraus ist zu erkennen, welch ein Mißbrauch mit der Herkömmlichkeit gemacht wird. Unsere Väter mußten oft verstohlen die Leichen zum ״guten Ort" tragen, und waren nicht sicher vor nachgeworfenen Steinen; und so waren sie gezwungen jede Ordnung bei Leichenbegängniffen außer Gebrauch kommen zu lassen und jeden lauten Gesang dabei schweigen zu heißen. Und diese von den traurigen Zuständen aufgedrungene Anordnung Witt man nun zu einem herkömmlichen Brauch stempeln, zu einem Brauch, der höher stehen sott als Friede der Gemeinde? — 2) ״Witt er nicht zugeben, daß der Kantor beim gottesdienstlichen Fungiren mit zusammengerolltem Talith dastehe." Von diesem könnte Wohl der einzige Grund sein, weil die Beracha über den Talith zu sprechen, wenn er zusammengerotlt, nicht recht ist. Aber dem ist leicht abzuhelfen. Zn früherer Zeit hat man Anstand genommen über einen Seidentalith den Lobspruch zu sagen, man hat diesen also über einen Wotltalith gesagt, diesen dann abgelegt und den Seidentalith angezogen; und so könnte es ja auch der Vorbeter machen, und hat er einmal die Beracha gesprochen, was schadet es, wenn er den Seidentalith zusammengerottt trägt? Auch ich trage bei allen öffentlichen Funktionen einen zusammengerollten Seidentalith, spreche aber früher auch die Beracha über einen Wolltalith. Am Neujahrs- und Versöhnungstage, wo ich die Beracha in der Synagoge sprechen muß, bete ich das Schachrithgebet im Wotttalith, und zum Ausheben der Thora, lege ich den Wolltalith ab und lege den Seidentalith u. z. zusammen gerollt an. 3) ״Hält er es für verpönt, daß der Vorbeter manche Stelle z. B. das so oft vokommende ״Lecho dodi" nicht genugmal repetire, während manche andere Stelle, wie das ״Boi chalo" mehrmal wiederhole." Das Lecho dodi Gebet, eigentlich Lied, ist ja nicht aus der Zeit des Thalmuds, sondern von Rabbi Schelomo Halewi verfaßt; und dieser hat wahrlich nicht vorgeschrieben, ob das Lecho dodi zwischen jeder einzelnen, oder zwischen 2 und zwei Strofen wiederholt werden soll, und es ist eine Lächerlichkeit, hierüber einen Streit zu erheben. Aber noch eine größere Lächerlichkeit wegen des mehrmaligen Wiederholen von ״Boi chalo." Des Wohlklanges wegen wird der Schlußvers ״Kol Hanschama," der des erhabenen Liedes am Meere re. wiederholt; (S. Orach Chajim, Abschn. 51. im Tur.) warum nicht

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