Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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— 351 Siddur Unterrichtsstoff für Elementarschulen? Will man da, wo nur Schneealpeu wachsen, wohlduftende Blumen pflücken? Nein! ehe die Jugend auf diese Weise überbürdet wird, daß sie vor Lernen nichts erlernen kann, ehe das eitle Lippenwerk für Wissen gelten soll, kehre man lieber zu den — Gott sei bei uns — Katechismen zurück, die Einem doch ״Zeit lassen, auch für's Judenthum zu unterrichten." Einem heiklen Zeitalter gegenüber ist ein Zuviel schlimmer als ein Zuwenig. Die Arbeit erschweren, um Sympathien zu erwecken, ist von jeher eine falsche Politik gewesen. Rechabeam hat zehn Stämme dadurch verloren, und der Religion werden auch keine erheblichen Vortheile daraus erwachsen. Lieber wenig aber gründlich — gilt überall als Grundsatz, und das alte תפסת מרובה לא הפפה ist wie die alte Rüge gegen den גמר ולא ריק nicht außer Acht zu lassen. Daß der Verfasser des Programmes die fromme Absicht hatte, das Judenthum mit forzirten Märschen unter die Jugend zu bringen, verkennen wir Nicht, aber das alterirt unser Urtheil so wenig, als das Urtheil über diese Eine Arbeit die Achtung, die der Verfasser sonst genießt und verdient, wie die freundliche Beziehung, in der wir zu ihm persönlich stehen, im Geringsten zu alteriren vermag. Amicus Plato, sed magis arnica veritas. — Das Programm für die Mittelschule von einem andern Versasser ist schon maßvoller in seinen Ansprüchen und weiß die Forderung der Tragkraft der Jugend anzupaffen. Daß wegen Mangels an Zeit und Raum die Gymnasial- und Realschulklasseu immer kombinirt werden mußten, ist sehr bedauerlich. Wir brauchen Pädagogen nicht erst den spezifischen Unterschied zwischen den Mittelschulen der humanistischen und denen der realistischen Rtchtung zu widerholen. Es braucht ferner nicht erst erinnert zu werden, wie dieser Unterschied den hebräischen Sprach- und den jüdischen Geschichtsunterricht wesentlich beeinfluße. Die Kombinirung der letzten Klasse des Untergymnastums mit der ersten Oberrealschule ist sogar in Rücksicht der äußern Disziplin nicht ohne Bedenken. Indessen ist dem ohne bedeutenden Zeitalso Kostenaufwand nicht abzuhelfen, und trägt nicht einmal der Vorstand an diesem Uebel die Schuld, geschweige denn der Lehrer. 21*