Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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350 — leicht errathen werden kann. Doch läßt sich aus dem hier waltenden Prinzips der möglichen Auf- und Ueberbürdnng, bei der hier zu Grunde liegenden Meinung im Unterrichte fortschreiten, Heiße Materiale anhäufen — annehmen, daß auch die vierte Klasse eine ihre Kräfte übersteigende Last zu tragen habe. Der Verfasser hätte nur die vom Ministerium für Volksschulklaffen vorgeschriebene» Sprach- und Lehrbücher Nachsehen dürfen, um zu beurtheilen, ob Kräften, denen man hier diese Muttermilch gibt, da schon solche starke Nahrung gereicht werden dürfe, — zudem, wo nur drei Stunden Zeit zur Verarbeitung gegeben wird. Das wäre wahrlich eine arge Mißdeutung, wenn man den Satz, Religion sei nicht Sache des Verstandes, sich so auslegte, als bedürfe sie nicht des Verständnisses, und weil sie nicht auf Gründe stütze, so dürfe ihr Unterricht der Gründlichkeit entbehren. — Ob und welches Prinzip der Auswahl der Bibelstellen zu Grunde liege, ist natürlich schwer zu errathen, aber gewiß ist, daß diese heillose Blumenlese aus dem Siddur ein wahres Monstrum für jeden Schulmann ist. Da ist z. B. sür die 3. Klasse die biblische Geschichte bis Gen. 44. also bis zur Zeit Josefs in Ägypten vorgeschrieben, dazu Gebete, worin für die Wiederherstellung Zions, für davidische Dynastie, 'סליטת סופרי gebetet wird. Wie sängt das der Lehrer au, der nicht bloß ״aufsagen" sondern auch zum Verständniß bringen will? Wird vielleicht so eu passant auch ein Ritt durch die Jahrtausende gemacht? Und am Ende, was soll diese Siddurlektüre? Der Siddur bestehet theils aus Bibelstellen,. die im Bibelunterrichte ihre Erledigung finden, theils aus dem gereimten maimonidischen Katechismus von sehr zweideutigem poetischen Werthe; manche Stellen enthalten Beziehungen uud Allusionen, die wir entweder selber nicht kennen, oder für die doch die untern Schulklassen kein Verständniß haben können, andere Stellen sind in einem so bombastischen, krausorientalischen Hyperbelstyl gehalten, daß man sie niemals pädagogisch zurechtlegen kann, und noch andere sind der Mischnah und dem Thalmud entlehnt und haben auch nie auf die Ehre Anspruch gemacht, in dem nachpestalozzischem Zeitalter, das auf Lebendigkeit und Anschaulichkeit des Unterrichtes bringet, jn die Kinderfibel eingenommen zu werden- Gibt nun der