Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543076-2543083--1566-2545279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
am allerwenigsten ein Schulmeisterlein. Aber wer ernstlich Geschichte stndirt hat, der wird nie den Fortschritt und das Heil von Ausnähme des Fremdartigen erwarten, der wird fort sch reiten nicht mit seitwärtsspringen verwechseln. Nicht das Ausgeben der Eigen-- thümlichkeit, sondern die Veredelung, derselben führt zum Ziele. Ist denn aber anderseits die echt jüdische Lehrweise wirklich mit den Tendenzen der Neuzeit im Widerspruche? Hat die Zeit nicht überall den Rationalismus und das leere Begriffsspiel überwunden? Welchen Rang nehmen heutzutage Metafisik und filosofische Spekulation auf Schulen ein? Dringen dir Naturwissenschaften nicht auf Thatsächliches, Konkretes, Besonderes? Dringt die Sprachforschung nicht auf Geschichte, auf Erkennung des Sprachgehaktes gegenüber leerem Regelwerk? Dringt die Kunst nicht auf Realismus, ans Darstellung des Ideales durch Thatsächliches, Lebendiges? Haben die sozialen Zustände nicht gesucht sich von künstlich konstruirten Begriffen zu emanzipiren, und streben ste nicht aus dem Bedürfnisse, aus der Sachlage heraus sich aufzuheben? Ich aber nehme für die religiöse Auferbauung in Volks- und Mittelschulen nur das gleiche Verfahren in Anspruch, daS dem ganzen Streben unserer Zeit zu Grunde liegt. Die Jugend soll aus der Geschichte, dem Gesetze, den nationalen Bräuchen, an dem Stofflichen sich erbauen, und Materialien sammeln, die dann in einer obersten Klasse, etwa des Obergymnasiums als schematisirtes System in Ueberstchtlichkeit gebracht werden mögen. — Und das soll nicht zeitgemäß sein?! — Was den zweiten Punkt, ob nämlich die Lernzeit ausreichen werde, deü vermeintlich länger» Weg durch das hebräische Sprachmedium zu gehen; so kann ich diese Frage nur vom Standpunkte östretchischer Schulverhältniffe beantworten. Vor Allem wird es sich nur darum handeln, in der Volksschule die Schwierigkeit und das Langweilige, das die Erlernung einer fremden Sprache mit sich führt, durch vernünftiges Verfahren zu überwinden, ehe noch die Fluth von den Lehrfächern, wie ste die Mittelschule vorschreibt, daher strömt. Bei jungen Kindern, deren Reflexion und Selbstständigkeit des Willens noch nicht so herangereist ist, wird das eher gelingen, wie auch das Lesen- und Schreibenlernen im