Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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111. Die Schulpraxis. Wenn ich der psychologischen und theologischen Frage einen größern Raum vergönnte, so glaubte ich hiedurch mancher unuöthigen Erörterung zur Beantwortung der dritten Hauptfrage, der .historischen, wie sie Herr Hecht nennt, oder besser der nach der praktischen Durchführung vorzubengen. Man wendet gegen den Unterricht aus den unmittelbaren Religionsqüellen ein, daß 1) die moderne Zeitrichtung, der Zeitgeist sich dagegen sträube; 2) bei den vielen Ansprüchen Seitens der weltlichen Lehrfächer die nöthige Zeit nicht erschwungen werden könne; 3) der Mangel an Religiosität in den Häusern, Unlust und WiederseHlichkeit der Eltern und Kinder gegen den Religionsunterricht, namentlich gegen das Hebräische erzeugt habe; 4) viele Stellen im Pentateuche mit unserem verfeinerten Schamgefühle, gehobenen ethischen Mb szrentifischen Bewußtsein im Wiederspruche stünben. Ich werde Punkt für Punkt erwiedern: Wäre es mir um eine aufschiebende aber leere Fräse zu thun, so könnte ich die erste Anwendung mit einem achselzuckenden Bespötteln der modernen Welt abthun. Ich könnte sagen: Religion sei ewig, unabänderlich, stehe höher als Zeitgeist und launischwechselnde Mode, könnte vornehm über den Materialismus der Zeit, über die Verwachfenheit des Charakters in unfern Tagen absprechen. Ich könnte endlich sagen: Wenn die von uns aufgestellte Lehrweise die naturgemäße ist, so haben wir unsere Pflicht gethan; der Arzt habe nur das Tränklein zu verschreiben, ob es willig eingenommen werde, sei lediglich des Patienten Sache. Aber da sei Gott vor, daß wir mit heuchlerischer Wegwendung von der Welt der Wirklichkeit uns selber belügen wollten. Auch ist dem verständigen Lehrer der echte Zeitgeist immer der Geist, durch den die Vorsehung die Erziehung der Menschen leitet. Wer in Obigem eine Rückkehr, etwa eine Befürwortung des Cheder's steht, der würde uns Unrecht thun. Kein Kind kann zum Mutterleibe zurückkehren, und Niemand wird dem Fortschritte Halt gebieten,