Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1860-01-01 · 7 (1860) · p. Seite 338

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
7 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 338 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543076-2543083--1563-2545276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 338 alle bindend, allen gemeinsam bleibt die unverbrüchliche, unerschütterliche Thatsache, das unbeugsame, dem allerhöchsten Willen entstoffene Gesetz.' Nicht die rationelle Anerkennung eines Lehrbegriffes ist jüdische Religiosität, sondern die lebendige Richtung des Innerfielt aus göttliche Dinge. Theoretisches Jndenthnm ist der Protest gegen unvernünftige Ideale, praktisches Judenthum, Anerkennung der Geschichte, Unterwerfung unter das Gesetz. Der Glaube an Bibel und Tradition ist Glaube an die Geschichte der Vergangenheit, der Glaube an den Messias, Anerkennung einer Geschichte der Zukunft. Selbst die Verirrungen des Judenthumes zu kleinlicher Werkheiligkeit trugen stets das Gepräge dieser lebendigen Richtung des Geistes auf die Welt der Thatsachen. Darum erzog dieses Judenthum seine Bekenner zur praktischen Anstelligkeit, Rührigkeit, Besonnenheit auf der einen, und zur theilnahmsvollen, werkthätigen Liebe und warmen Mildthätigkeit auf der andern Seite. Fremd ist dem Judenthume das Theorem, das leere System, fremd die Abstraktion; es kennt nur unmittelbares, thatkräftiges, religiöses Leben und Wirken, handgreifliches Gesetz, Ausübung, thatsächliche Geschichte, und was dem Volke als solchem geboten wird, soll und darf nur in Form der Geschichte und des Gesetzes geboten werden. Sollen wir jüdischen Lehrer nicht lieber die Vortheile einer Konfession, die in ihren Anforderungen an den Pädagogen so ganz mit denen der natürlichen psychologischen Gesetze übereinstimmt, weise benützen, als durch naturwidrige, aus der Fremde herbeigezogene Lehrweisen die Zeit vergeuden? Gott, als höchstes Ideal hinzustellen, lehrt uns das Judenthum wie die Psychologie, jenes in dem bekannten Spruche מה הוא רהום — הדבק במעשיו n. s. w. Beide dringen 1) auf Uebung, Gewöhnung; 2) auf Thatsächliches, Konkretes; 3) auf Lebensvolles, Geschichtliches; 4) aus Entfernung aller Begriffspielerei. Nun gibt uns noch das Judenthum Stoff, Form, Lehrmittel schon geordnet und kunstgerecht gefügt in die Hand. Zuerst diesen Pentateuch mit seinem vom einzelnen Menschenzum Familien- und endlich Staatsleben stufenmäsiig geordneten Geschichtsstoffe/in der kindlich-reinen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.