Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 335 — Mittheilnng, dem Einflüße der Erziehung und Vererbung sattsam erklärt. Aber wo wirkten diese drei Faktoren: Bedürfniß der Gemeinschaft, Bedürfniß der Mittheilnng und des Mitgefühles, Vererbung und Tradition mächtiger als gerade da, wo. das heiligste Interesse des Menschen und das ans seinem ganzen Seelenleben hervorgewachsene Ideal sich in Kult und Ritus seinen Ausdruck sucht? Es entstanden daher frühe schon Glaubensbunde und gemeinsame Konfessionen, die zwar ebenfalls, wie die Sprachen ihre Dialekte, — so ihre Sekten, wie jene ihre Provinzialismen — so ihre Ortsminhagim, wie man sie bei uns nennt, hatten, welche aber doch in Rücksicht der gegenseitigen Verständigung zur Uebereinstimmung und Gemeinschaft hinneigten. Hieraus erklärt sich die Empörtheit eines Volkes, dem man seine Religion nehmen will, jener Entrüstung gleich, die es der Thrannei des Sprachenzwangeö entgegensetzt; hieraus erklärt sich die Verwerflichkeit aller Proselitenmacherei und Seelensängerei, erklären sich die blutvollen Kriege, die man um Ideen führte. Hieraus erklärt sich auch ein gewisses Recht des Glaubensbundeö, von seinen Mitgliedern die Uebereinstimmung im Kultus zu verlange». Daraus geht aber hervor, daß der Erzieher und Lehrer, der diesen Anforderungen des Bundes entsprechen will, es eben am wenigsten mit Begriffen zu thun hat, sondern mit der Auge- Wohnung und Einrückung der gemeinsamen Kultweise und des religiösen Ausdruckes. Aber wie? Kann es nicht auch Glaubensbunde geben, die sich eben auch zu gewissen Begriffen vereint haben, und denen eben das Bekenntniß dieser Begriffe selber zum Kulte geworden? Wir antworten: Psychologie und Geschichte lehren, daß solche Glaubensbunde sogar nothwendig entstehen mußten, denn jedes Ding kann in seinem Ideale gedacht werden. Wird nun das .Ideal im natürlichen Wege dem Menschen zur Gottheit, so wird es bald eine eben so lange Reihe von Gottheiten geben, als die Reihe der idealistrten Dinge und Eigenschäften ist. Auf diesem einfachen Naturgesetze ruhet jener griechische Politheismus, dem jeder Baum eine Dryade, jeder Quell eine Najade ist. Die Fülle und Menge von Gottheiten machte dann ein Systemisiren, Eintheilen, eine übersichtliche Darstellung, 20* _