Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 333 Streben, Freuen, so grünt noch immer die Nachtblume des!Glau- Heus." — Was will man diesen Wahrheiten gegenüber sich von systematischen Paragrafen Unterrichte versprechen? Doch genug! Der Begriff führt zum Wissen, das Ideal zum Glauben d. h. zur subjektiven Ueberzengung, zu einem Fürwahrhalten dessen, wofür auch keine objektiven Gründe vorhanden sind. Die Fähigkeit zu glauben, wird überall in Anspruch genommen; selbst mehr als die Hälfte dessen, was wir uns als sogenannte Wissenschaft eigen gemacht, ist ein Geglaubtes und kein Gewußtes. Kein Botaniker hat alle Blumenspezies gesehen, an deren Vorhandensein er doch glaubt, und der Geschichtsforscher hat den kleinsten Bruchtheil der von ihm geglaubten Ereignisse selbst erlebt. Diese Fähigkeit, subjektiv überzeugt zu werden, hat doch vorzüglich im Religionsunterricht gepflegt zu werden. Wie will man also den Glauben nmgestalten, und den Glauben lehren, indem man ihn ignorirt? Glaube wird an Glauben, Ueberzengung an Ueberzeugung gezündet , und wer selbst nicht glaubt, kann so wenig gläubig machen) als der zu lehren vermag, der selber nichts weiß. Aber es gab eine Zeit, da war denen, die um des lieben Brodes willen Religionslehrer geworden sind, aller Glauben ׳abhanden gekomnien, und weil sie dieß mit Schrecken gewahrten, so wurden sie entweder sich selbst verachtende Heuchler, oder sie nahmen, wenn in ihnen nicht alle Würde verstorben war, zur begrifflichen Fassung ihre Zuflucht, lehrten Sprachlehre statt Religion, d. h. definiren statt glauben, und eintheilen statt idealisiren — inde haec lacrimae. In Summa gilt für den Religionsnnterricht der Grundsatz: Lebendiges, Tatsächliches, nicht Todtes aus Reflexion Entstandenes, Ideale nicht Begriffe, Glauben nicht Wissen, Neben und Gewöhnen, nicht Aussagen und Doziren, Ergreifen nicht Katechisiren, Fühlen, Ahnendes Unendlichen, nicht Beweisen und Demoustriren. . Aber während wir bet der allgemein psychologischen Untersuchung verweilen, halten unsere Gegner die Einwendung in Bereitschast: ״Aber wir haben es ja mit keiner allgemeinen, sondern mit einer bestimmten, positiven, geoffenbarten Konfession zu thun, die ihre bestimmten Lehrsätze hat, die doch einmal begrifflich B«n Cbm. UI. 1860. 20