Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Anschauung ist das Feldgeschrei der modernen Pädagogik, und das beziehet stch nicht bloß auf sinnlich Wahrnehmbares, als ob man Alles, was dem Auge nicht sichtbar, der Hand nicht faßbar gemacht werden kann, in den Rachen des Systemes, in den Korb der Abstraktion werfen dürfte. Anfchauen heißt vielmehr erleben, anschaulich machen heißt erleben lassen, und Erlebnisse gibt es noch andere und wichtigere als das Wahrnehmen. Aber es gibt so viele Lehrer, die meinen, Regel, Logik, System erzeuge erst ein klares Bewußtsein. Und gerade diese Herren, die sich so viel mit ihrer Logik wissen, begehen den ärgsten Verstoß, den die Logik mit Erschleichung bezeichnet. Sie schließen: Weil ein klares Bewußtsein zum Systeme führt, so ist zum klaren Bewußtsein das System nothwenbig. Ist denn aber ein geregelter Unterricht identisch mit einem Unterrichte in der Regel, ein Unterweisen nach Prinzipien, eine Unterweisung in Prinzipien? Diese kindische fast schülerhafte Verwechselung zweier Begriffe war aber von jeher nicht wenig an dem Wirrsale schuld, das die Geburtsstätte der systematischen Religionsbücher geworden ist. Wir könnten also unsere Gegner in ihrem eigenen Territorium, ans dem Gebiete der Verstandesbildung selber schlagen; indessen ist aber die Religion gar kein Produkt des Verstandes, sondern des Idealismus. Der Begriff wird erzeugt, indem man das Objekt erst an das Kind heranbringt; das Ideal ist aber schon vorhanden, und darf nur durch Förderung der Gesammtbildung gesteigert werden. Wir sind keine Freunde von ausgelegter Belesenheit, und zitiren daher nicht gerne Autoritäten. Aber ans folgende Ausspräche, zur Erhärtung des Gesagten sei, aufmerksam gemacht: die Religion, behaupten scharfsinnige Filosofen, ist dem Geiste Primitiver Weise immanent, und Jean Paul, der Erzieher, meint: ״Dem Kinde ist das' Höchste näher als das Niedrigste, wie man früher nach Stern- und Sonnenals nach Stadtuhren rechnete. Kein Mensch kommt zum Höchsten hinauf, sondern erst herab, und dann wieder zu ihm empor. Religion stützt gar nicht auf Gründe, im Gegentheile muß die Menge der Pfeiler die Gottes- Häuser nur verengen und verdüstern. Ja wenn in einer letzten Stunde Alles im gebrochenen Geiste abblühet, Denken- Dichten,