Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 331 — Pflanzen gibt, weil eben Abstraktion und Wirklichkeit diametrale Gegensätze sind, geben wir die Möglichkeit, daß unser Ideal irgendwo vorhanden sei, gar nicht auf. Ja! manche Ideale verwirklichen sich uns oft im Leben, besonders diejenigen, die wir uns von sinnlichen Wesen und Zuständen machen. Mancher Maler hat z. B. die Gestalt, die er erst als Ideal erzeugt, vielleicht später in der Wirklichkeit wahrgenommen, mancher Mensch das Glück erlangt, das früher sein Ideal gewesen. So setzt sich der Glaube au die Ideale fest. Der Glaube an das höchste Ideal, an das vollkommenste Wesen, ist die Religion. Dieser Glaube wird um so fester wurzeln, und um so wohlthätiger auf unsere ganze Bildung einwirken, je mehr das Ideal mit den Gesetzen der Vernunft im Einklänge stehet, schädlich wird der Glaube, wenn das Ideal selber eine Mißgeburt ist, und mit den Gesetzen und Bedingungen der Möglichkeit im Widerspruche stehet; denn da wird der Glauben zum Aberglauben. Ebenso verschieden sind die Verhältnisse in denen Begriffe und Ideale zur Gesammtbildüng stehen. Der Begriff kann sich leicht isoliren, von Einffüssen fremder Seelenzustände frei machen; das Ideal wird aber von jeder Seelenthätigkeit nothwendig beeinflußt, und influirt jede andere. Dem Verstände verleihet es die Idee der Wahrheit als letztes Ziel, dem Gefühlsvermögen gibt es die Tendenz nach der Schönheit, dem Begehrungsvermögen die Richtung nach dem höchsteu Gute. Wissenschaftliche Bildung kann daher einseitig sein, religiöse Bildung ist die höchste Blüthe der Bildung zur höchsten Wahrheit, Schönheit und Sittlichkeit. Für den Pädagogen gehen also folgende Unterschiede hervor. Der Begriff wird erzeugt durch Abstraktion! Das darf aber nicht dahin gedeutet werden, daß man alles Wissenschaftliche nach gelehrter Architekt»- nik vortrage. Ein Lehrer, der mit allgemeinen Lehrsätzen, Regeln, Prinzipien auch nur den wissenschaftlichen Unterricht beginnen wollte, verdient die Ruthe; denn er huldigt jenem vielverschrienen, leeren, nichtigen, geistestödtenden Formalismus. Jenes Spiel ,mit Begriffsformell ist eben das grinsende, klapperdürre Gerippe, daS hohläugige Gespenst, vor dem das jugendfrische Kinderleben zusammenschreckt, und sich hinter leere Nachbeterei flüchtet.