Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 321 man gleichwohl die Annahme plausibel machen, daß das mosaische Gesetz sich der herrschenden Polygamie akkomodirt habe, so wäre man genöthiget, den Ursprung derselben in die Zeit des Aufent- Haltes der Israeliten in Ägypten zu setzen. Alleinabgesehen von den drückenden Verhältnissen dieser Zeit, unter denen begreiflicher Weise die Vielweiberei nicht aufkommen konnte, war auch das Beispiel der Ägypter nichts weniger als geeignet, die bei den eingewanderten Israeliten herkömmliche Einehe zu beeinträchtigen. Zwar haben manche neuere Forscher aus den vorhandenen, sich übrigens wesentlich widersprechenden Nachrichten den Schluß gezogen, daß im alten Ägypten nicht nur die Polygamie, sondern auch ein mit dem orientalischen in der Hauptsache übereinstimmendes Haremswesen geherrscht habe. Hierauf gestüzt hielt es v. Bohlen für unägyptisch und daher für unglaublich, daß Josef in die Nähe der Weiber und in den Harem Pokifar's habe kommen dürfen, und Tuch weiß dagegen nichts Treffenderes einzuwenden, als: ״Der Erzähler läßt die Vorstellung vom vornehmen Ägypter, in dessen Hause die Frauen abgesondert lebten, schwinden, und schildert ein schlichtes häusliches Verhältniß." 51) Durch die neuesten ägyptologischen Forschungen wurden aber die dm vermeintlichen altägyptischen Sitten entnommenen Einwürfe gegen die biblische Erzählung vollkommen entkräftet. Die alten Denkmäler und Wandgemälde zeigen nämlich häufig gerade das Gegentheil von einem abgeschlossenen Haremsleben: Männer und Frauen in Gesellschaft ten bunt gemischt, sich ungezwungen unter einander belustigend, Kinder im Kreise der Familie und bei größeren Gastmälern und Gelagen an der Seite der Mutter oder auf den Knien des Vaters sitzend. 52) Es ist also durchaus nicht unägyptisch, daß Josef in die Nähe der Gattin Potisar's kömmt. Von dem Familienleben der alten Ägypter entwirft die Ägyptologie folgendes Bild: ״Die Priester als leuchtende Vorbilder der Enthaltsamkeit, die selbst alle diejenigen Speisen vermieden״ von denen sie befürchten zu müssen glaubten, daß sie auf ihre beständige 51) v. Bohlen, Eint, zur Genesis S. 371. Tuch, Genes. S. 510. ") Uhelmanu, Handbuch der gcsammten ägyptischen Alterthumskunden, §. 65.