Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 7 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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319 — Von protestantischer Seite wird dagegen die angeblich verbürgte Thatsache hervorgehoben, daß Papst Pius VII. die Bigamie eines reformirten Edelmannes in der Schweiz, der bereits in einer rechtmäßigen Ehe lebte, mit einer katholischen Witwe, auf deren Ansuchen in einem Breve vom 16. Januar 1804, obschon unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit, genehmigt habe. ") Weit entfernt, uns über -diese Polemik ein Urtheil anmaßen zu wollen, glauben wir doch Angesicht's der berührten Thatsachen unumwunden aussprechen zu können, daß die nicht nur faktisch bestehende, sondern prinzipiell motivirte, exklusive Monogamie weder ein Produkt der Jurisprudenz noch ein Produkt der Theologie ist, sondern ihren Ursprung einer von mannigfaltigen Faktoren zur Reife gebrachten filosofischen Ethik zu verdanken hat. In welchem Verhältnisse steht nun hier die biblische Lehre zur filosofischen Moral? Hr. vr. Fr. weicht dieser Frage nicht aus; er begnügt sich aber damit, dieselbe im Sinne Montesquieu's zu erledigen: ״Die Polygamie wird durch klimatische Verhältnisse beeinflußt: Asten begünstigte sie von jeher als fast natürliches Bedürfniß, Europa wies sie zurück. Es wird daher auch allgemein anerkannt, die mosaische Gesetzgebung habe die Polygamie als eine seit uralter Zeit im Volke herrschende Sitte nur geduldet, aber nicht deren Billigung ausgesprochen." 46) Der Hr. Vrf. hält also die Polygamie für herrschende Sitte der mosaischen Zeit. Diese seit Michälis öfters ausgesprochene Ansicht dürfte sich jedoch schwerlich als quellengemäß rechtfertigen lassen. Betrachten wir zuförderst die Urzeit und die Zeit der Patriarchen im Lichte der Thora. Die Schöpfungsgeschichte stellt ״die alles überdauernde Wahrheit der Einehe als das einzig würdige Vorbild" 4י) auf. Dieses Vorbild wird als maßgebend vorausgesetzt, bis Lernech, der Kainite, zwei Weiber nimmt. ״Die Bigamie Lemech's," sagt ein neuerer Ausleger, ״war der erste ") Minerve frantzaise Paris 1804. t. IV. p. 411. ") Grundlinien. S. 9. ") Ewald, die Alterthümer des Volkes Israel. S. 177 ff. 19*