Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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305 — Die Dachung schmücken nach der Westseite zu zierliche KiHpMhnrmchrn? nach der Ostseite zwei viereckige, zinnenartige Thürme. Ein reiches, kühn gesprengtes Hauptportal, dem zwei kleinere Pforten zur Seite stehen, führt von der Bornheimer Straße aus in das Innere. Die Fenster und namentlich die zwei großen Hauptfenster nach der Bornheimer und Allerheiligen-Straße zu sind nach den edelsten Mustern jenes reizenden und doch so erhabenen Baustyls ausgeführt. So macht das Gebäude von außen den Eindruck des edlen und würdigen, keineswegs des überladenen, und bereitet das Gemüth des Beschauers paffend auf die Wirkung vor, welche das Innere hervorbringt. Die Ausführung im Innern, die je bei jedem Bauwerk den eigentlichen Prüfstein der Kunst des Baumeisters bildet, legt denn auch hier das herrlichste Zengniß ab von der ausgezeichneten Befähigung Kayser's. — Den Eintretenden empfängt eine hoch gewölbte Halle, welche sich in drei Schiffe, ein geräumiges Hauptschiff und zwei Seitenschiffe sondert. Ein genügender Raum vom Portale aus, über welches sich der Chor wölbt, bildet eine Art offener Vorhalle, welche durch zwei Säulen die einen dreifachen offenen Bogengang bilden, ihren Abschluß erhält. Von hier schweift das Auge nach dem Raum der heiligen Lade, welcher im Osten, um mehrere Stufen erhöht, sich befindet und einen Halbzirkel bildet, der für die Nische, in welcher die Thorarollen bewahrt werden, für den Platz des Vorbeters, des Rabbiners und für die Kanzel einen vollkommen genügenden Raum darbietet. Auf der Nordnnd Südseite gehen die zwei Frauengallerien rings herum, von denen die untere von starken Pfeilern und zierlichen Säulen getragen wird, die zweite aber, auf kleinern und dünnern Säulen ruhend, sich über der ersten erhebt. Ein reichliches Licht strömt durch die hohen Bogenfenster in den Innern Raum und trägt nicht wenig zu der herrlichen Wirkung bei. Kaum beschreiben läßt sich der Eindruck, den dieser liebliche Tempelraum auf den Besucher hervorbringt. Wenn der Gedanke an den frommen und heiligen Zweck dieser Mauern dem Besucher unwillkührlich mit dem Gefühl der Andacht durchdringt, so fühlt er sich durch die zierlichen Bauformen, durch die Fülle von Tageslicht und durch den harmonischen Ton, der sich durch das meisterlich vollendete ganze hinwebt, wie von Heimatgefühlen angeweht und angenehm fest gehalten. Keine Spur von Ueberladung ist sichtbar, aber altes Einzelne ist edel gehalten, mit tiefem Verständniß erdacht, emsigem Künstlerfleiße ansgeführt. Die einfachen Farbentöne des weißgelben Gesteins, der lebhafte Glanz des weißen geschliffenen Marmors, der auf der Ostseite in reicher Fülle die Wände umkleidet, die kräftig zur Höhe strebenden Säulen bringen hier eine Wirkung hervor, welche die bunteste Stuckaturarbeit und der Farbenglanz der schönsten Arabesken wohl vergeblich erzielen würden. So stand das freundliche Gotteshaus schon seit Monaten bis auf die innere Einrichtung vollendet da, ein lautredendes Zeugniß von der Opferfreudigkeit der intelligenten hiesigen Gemeinde, welche mit der Bereitwilligkeit, die einer so reichen und gebildeten Genossenschaft geziemt, lediglich aus ihrer Mitte,-