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Ben Chananja · 1860-01-01 · 6 (1860) · p. Seite 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
3 (1860)
Issue
6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 296 (sequence 36)
Language
German
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— 296 — Seitdem die kritische Methode sich auch in der jüdischen Wissenschaft eingebürgert hat, oder besser gesagt, eine jüdische Wissenschaft geschaffen hat, ist Vieles in den Kreis der Untersuchung gezogen und in einer Gestalt zu Tage gefördert worden, was früher im Lichte des Dogmatismus betrachtet, als Wiffeuschaftsobjekt in althergebrachter, einseitiger Weise galt und für eine Prüfung nach neuen Gesichtspunkten keinen Raum bot. Die Midraschim und andere Erzeugnisse der jüdischen Literatur wurden aus der engen dogmatischen Sphäre vor das Forum der Wissenschaft gezogen, bloß der Mischna und den mit ihr Zusammenhängen Werken wurde bis jetzt eine ähnliche Behandlung nicht zu Theil, ganz natürlich, weil einerseits die den thalmudischen Studien Obliegenden für Kritik nicht zugänglich waren und anderseits die Männer der modernen Wissenschaft, nicht genug Kunde, oder wenigstens nicht genug Liebe und Hingebung besaßen, um dieses unermeßliche Gebiet zu umspannen und kritisch zu sichten. Der Verfasser der דרכי המשנה, nach beiden Seiten hin wohl gerüstet, ist der Erste, der es unternommen hat, in dieses Dunkel ordnendes Licht zu bringen und schon die in dem ersten Bande gebotenen, aus einem langjährigen Forschersteiße hervorgegangenen Resultate, werden unserer innersten Neberzeugung nach eine neue Aera in der Behandlung und Auffafftlng der Mischna begründen. Was die Wiffensheroen der früheren Jahrhunderte, Maimoni, Meiri und A. auf diesem Gebiete geleistet, so sehr es auch fast als eine Anticipation moderner Behandlnngsweise erscheinen muß, reicht für den heutigen Standpunkt nicht mehr vollständig aus und jeder Wissenschaftliche Jünger der Theologie, jeder künftige Forscher auf diesem Gebiete wird Frankel's Resultate nicht umgehen können, über welche in Folgendem ein kurzer Ueberblick geliefert werden soll. Nach der Rükkehr aus dem Eril machte sich das Bedürfniß nach religiöser Belehrung, nach bestimmterer Fassung der in das Leben eingreifenden Glanbenssatzungen mit Macht geltend. Das Volk hatte aus seinem politischen Schiffbruche nichts weiter, als die Lehre gerettet, an welche es sich kräftiger denn je anklammerte, in ihr den alleinigen Mittelpunkt suchend. Der Inhalt der Schrift, früher durch die unmittelbare Belehrung der Profeten, dem Volksbewußtsein näher gebracht, mußte nun einerseits gegen die bei dem Mangel höherer Unterweisung leichi mögliche Entstellung und Uukenntniß geschützt, anderseits für die unter den neuen Verhältnissen auftauchenden Lebensfragen erweitert und ausgebaut werden. Beides war das Geschäft der großen Synode, der Soferim, die in öffentlichen Vorträgen an das jedesmalige Schriftwort die traditionellen Erklärungen und Erweiterungen knüpften, ohne hiemit ein besonderes Lehrsystem errichten zu wollen. Tert und Erklärung des Lehrinhaltes, gingen treulich parallel neben einander her und wurden unter der einzigen Ob- Hut des Gedächtnisses, von einer Generation zur andern fortgetragen, immer weitere Fortbildungen im Midrasch erfahrend. Der Midrasch ging nicht von einem Einzelnen aus, sondern trat als das Resultat der zusammenwirkenden Thätigkeit der Soferim auf, weßhalb auch die Meister vor dem Werke in den

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