Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 3 (1860)
- Issue
- 6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Jenen, die mit mir und unserem Hause nie befreundet waren, bis in den Himmel gehoben, mir und meiner Gemeinde ein so schönes Prognostikon gestellt, daß des Lobes kein Ende nehmen wollte, und ich mein Haupt nicht zur Ruhe niederlegeu konnte. Die Mitternachtsstunde entfernte erst die letzten Freunde und Bekannte und ich war mit dem guten Vater allein, ich wartete seines Wortes, denn er schien etwas auf dem Herzen zu haben. Nach einer ziemlich langen Pause fing er mit seinem weichen Tone an — er war sehr bewegt. — ״Mein Kind, du weißt, es war ein Lieblingswunsch von mir, daß du Rabbiner werden sollst, es schmeichelt meinem und der Mutter Stolz, dich so jung noch schon am Ziele zu sehen. Ich setze mein ganzes Vertrauen in deiner Befähigung, dieses Amt ehrenvoll zu bekleiden; dn hast dich auch heute als Magid und guter deutscher Redner bewährt. Ich zweifle auch nicht, daß dein Charakter immer rechtlich, vein Streben zum Nutzen und Frommen, zur Hebung und Bildung der Gemeinde und dein Leben aus wahrer Religiosität, nicht geheuchelt, dem Rabbinerstande gemäß sein werde, daß, wenn du auch dem gemäßigten Fortschritt im Judcnthume huldigst, dich doch nie aus eitler Ruhmsucht der Ueberstürzungs-Partei, den Stürmern in die Arme Wersen wirst, wie gesagt, ich hoffe mit voller Zuversicht, daß du ein Rabbi im ganzen Sinne des Wortes sein wirst und dein guter Rnf, dein gemeinnütziges Wirken bald zu uns dringen werde, und dennoch will ich dir im Einverständniß mit der Mutter den Vorschlag machen, noch bei uns zn bleiben, ich und die Mutter wir werden uns mit deinem Fleiße im Lernen und Studieren in unserer Nähe noch mehr freuen, als dich jetzt schon in einer Anstellung zn wissen; es mangelt bir ja zu Hause auch nichts, und deiner Eltern Freude wird dir ja anfwiegen bcts' Opfer, das du der Eitelkeit: selbstständig und wirkend da zu stehen, bringst. Du darfst ja nicht vergessen, daß du immer noch wenig Erfahrung hast, und wie leicht kannst du dir durch jugendliches Aufbransen, durch zu viele Empfindlichkeit, wie dies überhaupt in deiner. Natur zu liegen scheint, das Vertrauen und die Liebe der Gemeinde verscherzen; denn das Stürmen wird überall als Ausschreitung angesehen, es wird höchstens entschnldigt, größtentheils getadelt, niemals aber gelobt, die erste Ausfahrt aber gründet oft den Ruf für das ganze Leben, es ist also die frühe Anstellung nicht lauter pures Glück. Ich verlange jetzt keine Antwort, ich glaube, du wirst heute ohne dies nicht schlafen können, denke darüber nach, in 2—3 Stunden, wo du zur Abreise phne dem wach sein mußt, erwarte ich deinen Entschluß." Bei diesen Worten nahm er eine der brennenden Kerzen und ging in sein Schlafzimmer ohne mir Zeit zu lassen, auch nur ein Wort an ihn zu richten. ״Du wirst sagen: das ist überspannt vom Vater, was ist da so viel zu überlegen? lege dich lieber nieder und schlafe diese zwei Stunden." Wahr, auch mir kommt kein Gedanke des Zuhansebleibens in den Sinn; dennoch ward ich so bewegt, erstaunt und in Versuchung geführt, den Vorschlag der guten Eltern, in Erwägung zu ziehen, denn Dir will ich gestehen, was hier noch Niemand weiß: ich habe einen Brief erhalten vom Vorstande, der mich wegen